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Der Sternhimmel im Mai 2022

 

Mit dem nahenden Sommer beginnt die nächtliche Dunkelheit deutlich später. Erst gegen 23 Uhr ist es zur Monatsmitte dunkel. Die Frühlingsfiguren Löwe, Nördliche Krone, Jungfrau und Bootes sind nun in südlicher Richtung zu finden. Das markanteste Sternbild unter ihnen ist der Löwe. Seine Position liegt in den Abendstunden in südwestlicher Richtung in mittlerer Höhe. Leicht kann man die fünf hellsten Sterne der Figur entdecken, die in ihrer Anordnung einem Trapez ähneln, aber durchaus auch bei fantasievoller Betrachtung einem liegenden Löwen. Auch ein Vergleich mit einer Maus oder einem Bügeleisen kann zum Auffinden der Figur sehr hilfreich sein. Die hellen Sterne Regulus, Denebola, Algieba und delta Leonis bilden seinen Rumpf. Die darüber sichelförmig angeordneten Sterne stellen den Kopf dar. Durch den Löwen zieht sich die Ekliptik, daher wandern die Sonne, Mond und Planeten durch das Sternbild. Der Löwe gehört somit zu den Tierkreisfiguren. Die weiteren Sternbilder dieser Gattung sind ebenso nach Tieren oder nach Personen benannt, bis auf eine Ausnahme, die Waage. Es ist ein Sternbild des Frühsommers, das sich im Mai mit Einbruch der Dunkelheit über dem Osthorizont zeigt.

Die Babylonier sahen in dem Sternbild ein Symbol für die Tag- und Nachtgleiche zu Herbstanfang, da damals die Sonne zu diesem Zeitpunkt in der Waage stand. Heute durchquert die Sonne vom 30. Oktober bis 23. November dieses Himmelsgebiet. Die alten Griechen rechneten die Sterne dem angrenzenden Skorpion zu, dessen Greifzangen sie darstellen sollten. Die Römer wiederum sahen in ihr das Symbol für die Gerechtigkeit, dass die benachbarte Jungfrau, die nicht nur für die Fruchtbarkeit, sondern auch für Recht und Ordnung zuständig war, in der Hand hält. Nur zwei ihrer Sterne sind heller als die dritte Größenklasse. Der hellste Stern ist Beta Librae mit 2,6 Größenklassen und trägt den Eigennamen Zuben Elschemali gefolgt von Alpha Librae mit Namen Zuben Elgenubi, dessen scheinbare Helligkeit 2,8 Größenklassen beträgt. Entsprechend der griechischen Version bedeuten diese Namen so viel wie nördliche und südliche Schere.

Die Waage ist aufgrund ihrer Lage zur Ekliptik regelmäßig Aufenthaltsgebiet des Mondes. Während seines Erdumlaufs durchwandert er in einem knappen Monat alle Tierkreissternbilder. Im Mai befindet er sich zum Zeitpunkt des Vollmondes in genannter Figur. Wenn er am 16. Mai 6.15 Uhr die Gegenstellung zur Sonne aus Erdsicht einnimmt, befindet er sich gleichzeitig im Kernschatten der Erde. Wir werden also in den Morgenstunden des 16. Mai eine totale Mondfinsternis erleben. Leider wird Mitteleuropa nur sehr bedingt in den Genuss dieses Himmelsschauspiels kommen. Da der Monduntergang bereits um 5.25 Uhr erfolgt, was fast genau mit dem Beginn der Totalität zusammenfällt, wird in unserer Region nur die partielle Phase beobachtbar sein. Zu bedenken ist auch die einsetzende Morgendämmerung, die intensiver wird und schließlich der Sonnenaufgang um 5.16 Uhr. Für Frühaufsteher oder auf dem Weg zur Arbeit lohnt sich der Blick zum Mond. Die Beobachtung der partiellen Phase kann ab 4.28 Uhr geführt werden. Man wird leicht erkennen, wie der Mond auf der östlichen Seite allmählich in den Erdschatten rückt und dabei abgedunkelt wird. Der Anblick im Teleskop ist reizvoll, aber nicht zwingend erforderlich.

Langjährige Beobachter dürften sich erinnern, dass auf den Tag genau vor 19 Jahren, am 16. Mai 2003, in den Morgenstunden eine totale Mondfinsternis stattfand, die ebenso nur in der partiellen Phase für unsere Region beobachtbar war. Zugrunde liegt der Metonische Zyklus, nachdem sich die Mondphasen Tag genau nach 19 Jahren wiederholen, da das die gleiche Zeitspanne ist wie 235 Mondmonate.  Finsternisse können sich in diesem Rhythmus mit leichter zeitlicher Verschiebung wiederholen. Im konkreten Fall tritt die Finsternis vom 16. Mai 2022 eine halbe Stunde später ein als die Vorgängerin von 2003. Der Metonische Zyklus geht auf den griechischen Astronomen Meton zurück. Der Zyklus dürfte nach neueren Forschungen aber bereits den alten Babyloniern einige Jahrhunderte früher bekannt gewesen sein.

 

Himmelsanblick zur Monatsmitte gegen 22.00 Uhr

Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels Mitte des Monats gegen 22.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

 

Jochen Engelmann

 

 

 

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