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Der Sternhimmel im Juni 2026

Den jährlichen Höchststand erreicht die Sonne in diesem Jahr am 21.6. um 10.25 Uhr. Das ist der astronomische Sommerbeginn, den man auch als Sommersonnenwende bezeichnet, da die Sonne in der Folgezeit ihre scheinbare Aufwärtsbewegung umkehrt. Die Sonne weist zum genannten Zeitpunkt ihre größtmögliche nördliche Deklination von +23,5° auf. Mit Deklination wird der Winkelabstand eines Gestirns vom Himmelsäquator bezeichnet. Er verläuft von Ost nach West und seine südliche Höhe beträgt +39,5°. Aus beiden Werten ergibt sich die Sonnenhöhe in unserer Region am 21. Juni mit 63°. Bei diesem Sonnenstand wird es nachts nicht mehr vollkommen dunkel. Für ihren Tagbogen am 21. Juni benötigt sie etwa 16 Stunden und 40 Minuten. So kann man bis nach 22.00 Uhr man im Freien Zeitung lesen. Die Sonne steht zu dieser Zeit nur 6° unter dem Horizont, das Kriterium für die sogenannte bürgerliche Dämmerung. 

Es lohnt sich in der Abenddämmerung die Begegnung der beiden hellsten Planeten des Sonnensystems, Jupiter und Venus, zu verfolgen. Zu Monatsbeginn leuchtet Venus mit -4 mag auffällig über dem Westhorizont, während sich Jupiter mit -1,9 mag ein Stück darüber leicht zu erkennen gibt. Die folgenden Tage sind gut geeignet die allmähliche Annäherung der beiden zu verfolgen, die am 9.6. mit dem Überholvorgang von Venus an Jupiter ihren Höhepunkt findet. Flankiert wird dieses himmlische Rendezvous im Sternbild der Zwillinge durch Merkur, der am 9. Juni knapp über dem Horizont mit einer Helligkeit von 0 mag zu erkennen ist. In den folgenden Wochen setzt sich der Aufstieg von Venus mit einer leichten Helligkeitszunahme fort. Jupiter hingegen verfrüht seinen Untergang bis zum Monatsende auf 22.45 Uhr bei leicht abnehmender Helligkeit. Venus bleibt in der ersten Junihälfte bis Mitternacht gut beobachtbar. Zum Monatsende hin sinkt sie gegen 23.30 Uhr unter den Westhorizont.

Der Planet Venus ist für das bloße Auge eines der schönsten Objekte am Himmel, dessen Helligkeit nur von Sonne und Mond übertroffen wird. Das weiße, reine Licht des erdnächsten Planeten hat die Menschen schon immer beeindruckt, weshalb die Sumerer, Griechen und Römer die Venus nach weiblichen Figuren der Verführung benannten. Der sich ändernde Anblick und die komplizierten Bewegungen am Himmel geben der Venus einen individuellen Reiz. Da sie näher bei der Sonne steht als die Erde, kann sie höchstens einen Winkelabstand von 48° zu ihr einnehmen. Deshalb ist sie, wie der Volksmund bemerkt, nur als Morgen- oder Abendstern sichtbar.                                                                                                                      

Seit Galilei 1609 sein Teleskop zur Venus richtete, sind die mondähnlichen Phasen bekannt. Ebenso ist schon in kleinen Fernrohren sichtbar, dass sich der scheinbare Durchmesser des Venusscheibchens ändert. So ist die dünne Venussichel, die der erdnahen Position des Planeten entspricht, mehr als dreimal so groß wie die Dreiviertelvenus, die zu einer erdfernen Position passt. Sie sind Ausdruck ihrer Bewegung um die Sonne innerhalb der Erdbahn und ein klarer Beleg für das heliozentrische Weltbild. Bei einer Teleskopbeobachtung im Juni zeigt sich Venus als kleines ovales Scheibchen, das zu 75 % beleuchtet ist. Der Planet erscheint strukturlos, da die dichte Atmosphäre keinen Blick auf Oberflächenformationen zulässt. Die Venuswolken ähneln aufgrund ihrer hellweißen Farbe auf den ersten Blick denen der Erde. Im 18. Jahrhundert kam es so zu verschiedenen Spekulationen, die darin gipfelten, dass die Venusoberfläche tropischen Regenwäldern gleicht. Messdaten von Raumsonden offenbaren allerdings höllenartige Zustände, die geprägt sind von einer Oberfläche mit extremer Trockenheit bei bis zu 475 °C und einer Atmosphäre mit einem 95 %-igen Kohlendioxidanteil. Eine Erklärung für diese fremdartigen Parameter ist bis heute nicht möglich. Mit einer Entfernung von 108 Millionen Kilometern ist sie nach Merkur der Sonne am zweitnächsten. Damit ist die Jahreslänge leicht nachvollziehbar. Die Venus umrundet die Sonne in knapp 225 Tagen. Der Erde vermag sie sich bis auf 38 Millionen Kilometer zu nähern. Ihre Größe und Masse und folglich auch Dichte sind sehr ähnlich zu den Werten der Erde. Wegen der extrem dichten Wolkendecke gelang es erst im Jahr 1965 mithilfe von Radarmessungen, die Rotation der Venus zu messen. Das Ergebnis war eine Überraschung, da sich der Planet mit einer Periode von 243 Erdtagen nicht nur extrem langsam dreht, sondern zudem in retrograder Richtung, also entgegen der vorherrschenden Drehrichtung im Sonnensystem. Bislang ist unklar, was zu dieser ungewöhnlichen Eigendrehung der Venus geführt hat.

 

  

 

 

Anblick des Sternhimmels zur Monatsmitte gegen 22.30 Uhr MESZ

 

Jochen Engelmann

 

 

 

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