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Der Sternhimmel im Dezember 2021

Der astronomische Winter beginnt am 21. Dezember um 16.59 Uhr, wenn die Sonne den tiefsten Punkt ihrer scheinbaren Bahn um die Erde erreicht. Man nennt diesen Zeitpunkt auch Wintersonnenwende, da die Sonne von nun an wieder aufsteigt. Es ist gleichzeitig der kürzeste Tag des Jahres, denn zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang liegen nur 8 Stunden und 10 Minuten. Bereits bis zum 24. Dezember wächst die Differenz um eine Minute. In unserem Gebiet ergeben sich nach Abzug der Dämmerungszeit etwa 13 Stunden Dunkelheit, die abgesehen von den winterlichen Temperaturen die günstigsten Beobachtungsbedingungen des Jahres darstellen. Sie sind geprägt von blauschwarzem Nachthimmel, der durch seinen Glanz beeindruckt und zu keiner anderen Jahreszeit so schön und vielfältig ist. Insbesondere lohnt es sich in der ersten Dezemberhälfte nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Der Sternschnuppenstrom der Geminiden kündigt sich an und wird in der Nacht vom 13. zum 14.12. sein Maximum erreichen. Erfahrungsgemäß werden dabei viele Sternschnuppen trotz des hellen Mondlichtes gut zu sehen sein.  Scherzhafterweise gibt es damit die Möglichkeit, den einen oder anderen Weihnachtswunsch einem himmlischen Boten entsprechend eines alten Volksglaubens mitzugeben. Das Ausstrahlungsgebiet des Stroms liegt in den Zwillingen, die am Abend leicht am Osthimmel erkennbar sind. Als typisches Wintersternbild kann man die Figur die ganze Nacht sehen. Gegen 1.00 Uhr kulminiert sie und nimmt damit ihre höchste Position im Süden ein.

Bereits in den frühen Abendstunden durchläuft das Sternbild des Perseus den Meridian und steht dabei im Zenit. Obwohl der Held der Andromedasage das ganze Jahr über dem Horizont steht, liegt im Winterhalbjahr die günstigste Zeit der Sichtung. In genannter Sage ist er der heldenhafte Retter der Andromeda, mit seinen Flügelschuhen, dem Schwert in der einen und dem abgeschlagenen Haupt der Medusa in der anderen Hand. Das Band der Milchstraße verläuft durch dieses Sternbild und wird dort von einer großen Staubwolke verdunkelt. Algol, auch Teufelsstern genannt, ist der zweithellste Stern der Konstellation und symbolisiert das Medusenhaupt. Er gilt als das klassische Beispiel eines bedeckungsveränderlichen Sterns. Er ist ein Doppelstern, bei dem sich die Komponenten so umeinander bewegen, dass sie sich bei jedem Umlauf bedecken und ein Lichtwechsel zu beobachten ist. Im konkreten Fall variiert die Helligkeit zwischen 2,3 und 3,5 Größenklassen mit einer Periode von knapp drei Tagen.

Da bis ins späte Mittelalter die Sterne als unveränderlich galten, ist es nicht verwunderlich, dass die erste offizielle Entdeckung der Veränderlichkeit aus dem Jahr 1669 stammt.

Eine systematische Untersuchung des Doppelsterns wurde erstmals 1783 von dem Engländer John Goodricke durchgeführt. Er ermittelte die Periode und vermutete aufgrund des Lichtwechsels folgerichtig, dass der eine Stern sehr viel dunkler ist, aber etwa die gleiche Größe haben muss wie der andere. Heute wissen wir, dass die dunkle, bedeckende Komponente 4.500 K heiß ist und die hellere sogar 12.600 K aufweist. Die Größe beträgt bei dem lichtschwachen Stern 3,5 und beim lichtstarken 2,9 Sonnenradien. Die Entfernung des Systems wurde durch den Vermessungssatelliten Hipparcos auf 93 Lichtjahre bestimmt.

 

Ein kleines Stück nordwestlich von Perseus auf halber Strecke zur Kassiopeia erkennt man leicht ein diffuses Fleckchen, den „Doppelsternhaufen“ h und chi Persei. Es ist eines der einfachsten deep-sky-Objekte für das bloße Auge. Versuchen Sie einmal, ob es Ihnen gelingt, die beiden Haufen mit dem bloßen Auge zu trennen.

Die beiden Sternansammlungen gehören zu den offenen Sternhaufen und umfassen jeweils etwa 200 Sterne. Der prächtige Anblick im Teleskop lässt die Sterne einzeln erscheinen, wobei man zwischen ihnen auch schwache Hintergrundobjekte wahrnehmen kann, daher die Bezeichnung „offen“. Die Vertreter eines solchen Sternhaufens haben alle das gleiche Alter. Allerdings entwickeln sich die schwersten Sterne schneller und schließen ihr kurzes Leben häufig mit gewaltigen Explosionen ab. Die Existenzdauer eines offenen Sternhaufens beträgt etwa 100 Millionen Jahre. Mit fünf beziehungsweise drei Millionen Jahren sind h und chi Persei besonders jung. Deshalb enthalten sie auch noch viele der leuchtkräftigen massereichen Sterne, die in bläulich weißem Glanz erstrahlen und nur rund 10 Millionen Jahre leben. Diese hellen Sterne sind der Grund, warum wir die beiden Sternhaufen trotz ihrer Entfernung von etwa 8.000 Lichtjahren sogar mit bloßem Auge erkennen können.

 

Himmelsanblick zur Monatsmitte gegen 19.00 Uhr

 

Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels Mitte des Monats gegen 19.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

 

Jochen Engelmann

 

 

 

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