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Der Sternhimmel im November 2020

Der November ist mit seinen langen Nächten ein geeigneter Zeitraum für astronomische Beobachtungen. Bereits nach Einbruch der Dunkelheit zeigen sich am Südwesthimmel Jupiter und Saturn und hoch am Südhimmel Mars. Über dem Osthorizont ist das Sternbild Stier gut zu sehen. Als typisches Wintersternbild kündigt es den Wechsel zur kalten Jahreszeit an. Auffällige Strukturen dieser Sternengegend sind die prächtigen Sternhaufen Hyaden und Plejaden.

Die große V-förmige und lockere Anordnung der Hyaden bildet den Kopf des Stiers, entsprechend einer rund 6.000 Jahre alten Deutung. Das Sternengewimmel umfasst etwa 200 Mitglieder, von denen uns rund 150 Lichtjahre trennen. Damit ist es die sonnennächste Ansammlung dieser Art. Auf Grund der Nähe zu unserem Sonnensystem spielen die Hyaden in der modernen Astrophysik eine wichtige Rolle. Anhand von klassischen trigonometrischen Methoden kann die Entfernung und damit die Leuchtkraft der Einzelsterne des Sternhaufens bestimmt werden. Darauf bauen andere Methoden der Entfernungsbestimmung zu Objekten auf, die außerhalb unserer Galaxis liegen.

Aldebaran, der hellste Stern im Stier, ist auffälligstes Gestirn der Hyaden. Allerdings ist seine Zugehörigkeit zum Sternhaufen nur scheinbar. Mit 65 Lichtjahren Distanz ist er knapp halb so weit wie die Hyadensterne entfernt, liegt jedoch zufällig in der Sichtlinie zur Sternengruppe. Der orangefarbene, relativ kühle Stern gehört zur Gruppe der Riesen und besitzt etwa die 1,5-fache Sonnenmasse. Nicht außer Acht lassen sollte man, dass die Hyaden ein relativ weites  Himmelsfeld einnehmen. Deshalb ist ein Fernglas mit großem Gesichtsfeld hilfreich, um so das ganze Sternenareal abzutasten. Bereits bei der Verwendung einer kleinen Optik werden mehr als 100 Sterne sichtbar. Die Hyaden wurden in der Antike als Symbol für den Beginn der feuchten und kalten Jahreszeit betrachtet und als Regengestirn bezeichnet.

Etwas rechts oberhalb davon liegt der kompaktere Sternhaufern der Plejaden, der auch als Siebengestirn bekannt ist und seit Menschengedenken ein herausragendes Himmelsobjekt darstellt. Die ersten überlieferten Erwähnungen stammen von den Sumerern. In der griechischen Mythologie galten die Plejadensterne als die sieben Töchter des Titanen Atlas. Allerdings sind bei mäßiger Witterung nur sechs Sterne sichtbar und unter günstigen Bedingungen gleich neun, aber nie genau sieben. Seit der Antike gibt es Spekulationen, wo der siebente helle Stern geblieben ist. Astrophysikalische Erklärungen, beispielsweise ein unregelmäßig veränderlicher Stern oder ein Staubschleier, der vor dem Sternhaufen vorüberzieht, sind eher unwahrscheinlich. Vermutlich spielt die mystische Zahl sieben beim Rätsel um den fehlenden Stern eine wichtige Rolle. Eine so bedeutende Sterngruppe sollte wohl aus sieben Mitgliedern bestehen, ähnlich wie der große Wagen, zumal ja die Form der Plejaden eine gewisse Ähnlichkeit mit dem großen Wagen aufweist. Auf jeden Fall bieten die blau-weißen Sterne der Gruppierung einen prächtigen Anblick, egal ob man mit bloßem Auge sechs oder neun, im Fernglas einige Dutzend oder im Teleskop einige Hundert erblickt.

Nach Messungen des Astrometrie-Satelliten Hipparcos ist der Sternhaufen 390 Lichtjahre entfernt und umfasst etwa 200 Sterne. Deren Alter wird auf 50 Millionen Jahre geschätzt, was das Siebengestirn als jungen Sternhaufen charakterisiert. Um die Sterne der Plejaden zeigt sich ein besonders prachtvoller bläulicher Reflexionsnebel. Damit sind Wolken interstellaren Staubs gemeint, die das Licht benachbarter Sterne reflektieren.

Hyaden und Plejaden zählen zu den offenen Sternhaufen. Das sind Ansammlungen von hunderten von Sternen mit relativ geringer Sternendichte, so dass man die Einzelsterne gut trennen und den Himmelshintergrund noch „offen“ sehen kann. Zwischen beiden Gruppierungen Hyaden und Plejaden läuft die Ekliptik, die scheinbare Sonnenbahn, in deren Nähe sich auch die Planeten und der Mond bewegen. Man spricht auch vom Goldenen Tor der Ekliptik, durch das sie alle hindurchmüssen, nur der Mond läuft manchmal außerhalb vorbei. In der Nacht vom 29. zum 30. November kann man ihn allerdings beim Passieren des Tores in unmittelbarer Nähe der Hyaden sehen.

 

Sternhimmel Mitte November 2020

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 20:00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MEZ

Jochen Engelmann