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Der Sternhimmel im April 2019

 

Am Abendhimmel ist der Wechsel der Jahreszeiten leicht erkennbar, da die auffälligen Winterfiguren Orion und Stier kurz vor dem Untergang am Westhimmel stehen. Den Helligkeitsschwerpunkt am nächtlichen Frühlingshimmel prägt das Frühlingsdreieck, dessen Eckpunkte vom bläulichen Regulus, dem orangefarbenen Arktur und der bläulichen Spica markiert werden. Es handelt sich dabei um die Hauptsterne des Löwen, des Bootes und der Jungfrau. Letztgenannte Figur ist bereits seit der Antike bekannt und interpretiert in eindeutiger Weise die aktuelle Jahreszeit. Sicherlich braucht man viel Fantasie, um in dem Sternbild die Gestalt eines liegenden Mädchens zu erkennen. Die Babylonier sahen bereits vor 4.000 Jahren die Kornähre in ihr, die den langen Winter unter der Erde verbringt und im Frühjahr sprießt. Spica trägt die lateinische Bezeichnung für Kornähre. Sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern wurde das Sternbild mit Fruchtbarkeit assoziiert.

Neben diesen markanten Symbolen des Frühlings, die den östlichen Abendhimmel füllen, ist hoch in südlicher Richtung der unscheinbare Krebs zu sehen, der ebenso bereits in der Antike bekannt war. Das Sternbild ist schwierig zu entdecken, da der hellste Stern, Altarf, lediglich eine scheinbare Helligkeit von 3,5 Größenklassen besitzt. Am besten findet man es, indem man einer gedachten Linie zwischen den auffälligen Sternbildern Zwillinge und Löwe folgt. Die Sterne des Krebses formen ein auf dem Kopf stehendes Ypsilon. Das Sternbild gehört zu den Tierkreissternbildern, durch die Sonne, Mond und Planeten ihre Bahnen ziehen. Die Sonne passiert jährlich vom 21. Juli bis 10. August diesen Abschnitt des Tierkreises.

 

Die Figur zeigt an schönen klaren Abenden, die frei von Mondlicht sind, im Zentrum ein nebelhaftes Fleckchen, den offenen Sternhaufen Krippe oder auch Praesepe genannt. Der griechische Astronom Hipparcos führte die Praesepe in seiner Sternenliste um 130 v. Chr. als „kleines Wölkchen“ auf.1610 erkannte erstmals Galilei, dass es sich bei dem Fleck um einen ganzen Haufen von Sternen handelt. Er soll vierzig gezählt haben. Heute wissen wir, dass die sehr ausgedehnte Sternansammlung sich in 580 Lichtjahren Entfernung befindet und etwa 500 Sterne umfasst. Es ist einer der massereichsten offenen Sternhaufen der Milchstraße. Er existiert bereits seit mehr als 400 Millionen Jahren und zeigt eine große Vielfalt an blauen, gelben und roten Sternen. Den schönsten Anblick erlebt man im Fernglas oder kleinen Teleskopen, womit man bis zu 70 Sterne entdecken kann. Im amerikanischen Sprachgebrauch heißt das Objekt Beehive, was so viel wie Bienenkorb bedeutet. Die astronomische Katalogbezeichnung lautet M 44 und charakterisiert damit das 44. Objekt, das der berühmte französische Kometenentdecker Charles Messier in der Mitte des 18. Jahrhunderts in seinen Katalog nebelhafter Objekte aufnahm. Der Katalog umfasst Nebel, Sternhaufen und Galaxien, die heute begehrte Objekte für Amateurastronomen sind.

 

In den verschiedenen Kulturkreisen des Altertums wird der Krebs interpretiert. Für die Babylonier war der Krebs das Tor zur Wiedergeburt. In der ägyptischen Mythologie verkörpert der Krebs den Sonnengott Chephre, die göttliche Personifikation des Skarabäus. Er galt als Symbol für Fruchtbarkeit und Leben. Für die Griechen war es der Krebs, der versuchte, Herakles in den Zeh zu zwicken, als er mit der Hydra kämpfte. Dieser zertrat ihn aber mit einem kräftigen Tritt. Außerdem soll Zeus den Krebs ausgesandt haben, um eine badende Nymphe festzuhalten.

 

Sternhimmel April

 

 

 

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 21.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

Jochen Engelmann

 

 

 

Sternhaufen

 

Der farbenprächtige offene Sternhaufen Praesepe oder auch Krippe genannt liegt im Sternbild Krebs und kann bei guten Sichtbedingungen schon mit bloßem Auge als Nebelfleckchen wahrgenommen werden.