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Der Sternhimmel im Februar 2021

 

Jedem Sternfreund fällt schon nach kurzer Beobachtungszeit der eine oder andere dahinziehende Lichtpunkt auf. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass rund 2800 aktive Satelliten die Erde umlaufen. Die meisten Objekte bewegen sich auf niedrigen Flugbahnen und somit können viele auch mit bloßem Auge gesehen werden. Das auffälligste und attraktivste Objekt unter ihnen ist die Internationale Raumstation ISS. Für viele Menschen ist es zu einer regelmäßigen Beobachtung geworden, die sichtbaren Überflüge zu verfolgen und sich an deren hellen Glanz, der die hellsten Sterne und Planeten übertrifft, zu erfreuen.

Sie überfliegt unser Gebiet stets aus westlicher Richtung kommend nach Osten in einer Höhe von etwa 400 Kilometern, wobei sich die konkreten Beobachtungsbedingungen ständig ändern. Die Station fliegt auf einer fast kreisförmigen Bahn um die Erde und benötigt für einen Umlauf rund 93 Minuten. Während dieser Zeit dreht sich die Erde ein Stück unter ihr von West nach Ost weiter. Des Weiteren wird die Sichtbarkeit eingeschränkt, da man die ISS nur sehen kann, wenn das von ihrer Oberfläche reflektierte Sonnenlicht zum Beobachter gelenkt wird. Der kann das aber nur wahrnehmen, wenn es auf der Erde ausreichend dunkel ist, also in der Dämmerung. Allerdings im Sommer, wenn die Sonne nur knapp unter dem Horizont steht, sind auch Nachtumläufe beobachtbar. Ein weiterer Faktor, der die Sichtbarkeit beeinflusst ist der Erdschatten, der durch den Sonnenstand bestimmt wird. Beobachtet man die ISS beispielsweise in der fortgeschrittenen Abenddämmerung, so kommt es vor, dass die Station bereits hoch am Osthimmel unsichtbar wird, weil sie dort in den Schattenkegel unserer Erde eintritt.

Deshalb gilt es, sich stets genau über die aktuellen Bedingungen zu informieren. In der Freien Presse wird an dieser Stelle regelmäßig ein Fahrplan ausgewählter sichtbarer Überflüge veröffentlicht. Allerdings können die Vorhersagen von der Realität etwas abweichen, da in unregelmäßigen Abständen die Bahn der ISS um einige Kilometer angehoben wird, um den Einfluss der Hochatmosphäre und der Sonnenaktivität entgegenzuwirken. Weitere Informationen zu Überflügen der ISS können auf der Internetpräsentation unter www.heavens-above.com entnommen werden.

An dieser Stelle findet man auch Informationen zu sichtbaren Überflügen der Starlink-Satelliten, die ebenfalls das Interesse vieler Beobachter auf sich ziehen. Es handelt sich dabei um ein seit 2019 im Aufbau befindliches Netz von Satelliten, das von dem amerikanischen Betreiber SpaceX betrieben wird. Durch eine Vielzahl von Satelliten, derzeit ist von 12.000 die Rede, soll ein weltweiter schneller Internetzugang aus dem All möglich sein. Bereits mehrere Hundert wurden in den Orbit gebracht und umkreisen die Erde in einer Höhe von 550 Kilometern. Jeweils nach dem Start einer neuen Serie von 60 Satelliten, der in Florida erfolgt, zeigen sich diese kühlschrankgroßen Geräte als Lichtpunkte, die noch eng beieinander angeordnet sind, ähnlich einer Perlenschnur. Allmählich werden sie etwas lichtschwächer und verteilen sich über den Himmel. Leider kann durch deren Vielzahl der ungestörte Anblick des Nachthimmels in Zukunft beeinträchtigt werden sowie die Bearbeitung astronomischer Forschungsaufträge leiden. Kollisionsgefahren im All und eine Zunahme des Weltraumschrotts können weitere Auswirkungen des Projektes sein.

Der gleiche Betreiber sorgte im Dezember letzten Jahres erstmals für Personalnachschub auf der ISS. Vier Astronauten wurden mit einer Falcon-Rakete und einer Crew Dragon Kapsel zur Raumstation gebracht. Space X fungiert somit als eine Art Taxi-Unternehmen für die NASA. Die Besatzung der ISS beläuft sich damit gegenwärtig auf fünf Astronauten und zwei Astronautinnen, die aus Russland, den USA und Japan stammen. Die Funktion des Kommandanten hat der Russe Sergej Ryshikow inne, der die Expedition Nummer 64 leitet. Die erste ISS-Mission startete am 2.November 2000. Seitdem ist die Raumstation ständig besetzt. Obwohl in letzter Zeit technische Probleme die Raumstation immer wieder in die Schlagzeilen brachten und sich die Betreiber einem erhöhten Reparaturbedarf stellen müssen, ist sie das größte Projekt im Weltall, das von den USA, Russland, den Mitgliedsstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA sowie Kanada und Japan betrieben wird. Im Rahmen der ESA ist Deutschland der wichtigste ISS-Partner, der mit 41 % den höchsten europäischen Anteil finanziert und maßgeblich zur wissenschaftlichen Nutzung beiträgt. Die Raumstation gilt als Beweis, dass die friedliche Nutzung des Weltraums zum Vorteil aller Partner möglich ist. Der aktuelle Zeithorizont zur Nutzung der Raumstation reicht bis 2030. Im November 2021 wird voraussichtlich mit Matthias Maurer ein weiterer deutscher Astronaut seinen Dienst an Bord tun.   

Die Umlaufbahn erfasst 75 % der Erdoberfläche und den Lebensraum von 95 % der Erdbevölkerung. Von der Tätigkeit an Bord erhofft man sich Fortschritte in der Vorhersage atmosphärischer und klimatischer Veränderungen. Die Langzeit-beobachtung ermöglicht die Auswertung von Daten zur Vegetationsentwicklung, Landnutzung und Wasserqualität. Die Vorzüge der Schwerelosigkeit erweisen sich günstig für Experimente zur Materialforschung und zum Proteinwachstum. Die Untersuchung der kosmischen Strahlung und astronomische Beobachtungen sind weitere Tätigkeiten, die jenseits der Atmosphäre geführt werden. Die Weltraumstation selbst stellt ein einziges großes Experiment dar. Die Entwicklung von Bauteilen, die möglichst klein und leicht beim Transport in den Orbit sind und dort ein Maximum an Raum und Sicherheit bieten, erfordert neue Methoden der Fertigung. In allen Forschungsfeldern geht es darum, dass auf der ISS gewonnene Erkenntnisse neue Impulse für die Technologie, Wissenschaft und Wirtschaft auf der Erde geben.

 

 

 

 

 

 

Himmelsanblick zur Monatsmitte gegen 20.00 Uhr

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 20.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MEZ

 

Jochen Engelmann