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Der Sternhimmel im Mai 2017

Der Frühlingssternhimmel entfaltet im Mai seine ganze Pracht. Obwohl die typischen Figuren nicht so reich an hellen Sternen sind, haben sie dennoch ihren eigenen Reiz. Am Abend ist der Löwe im Südwesten vertreten, während die Jungfrau im Meridian steht. Nördlich entdeckt man den Bootes, auch bekannt als Bärenhüter. Die drei Hauptsterne dieser Sternbilder, Regulus, Spica und Arktur bilden das Frühlingsdreieck.

Ein Blick in die Zenitgegend des Abendhimmels zeigt den Beobachter die allseits bekannte Konstellation des Großen Wagens. Sieben auffällige Sterne in einer einprägsamen und leicht interpretierbaren Anordnung in einer relativ sternarmen Himmelsgegend markieren die Figur. Aus Sicht der astronomischen Nomenklatur handelt es sich um das hintere Rückenstück einschließlich des Schwanzes vom Sternbild Großer Bär. Die Figur zählt zu den zirkumpolaren Sternbildern, die das ganze Jahr am Nachthimmel zu finden sind.

Das Sternenpärchen Mizar und Alkor gehört zu den bekanntesten Doppelsternen und steht Mitte Mai gegen 22.00 Uhr genau im Zenit. Es ist damit gerade für den ungeübten Himmelsbeobachter ein schönes Einsteigerobjekt. Mizar ist der mittlere Deichselstern des Großen Wagens. Knapp neben ihm sieht man schon mit bloßem Auge ein schwaches Sternchen, das Alkor heißt, auch bekannt als Reiterlein. Im Volksmund spricht man vom Augenprüfer. Mizar besitzt eine scheinbare Helligkeit von 2 Größenklassen, Alkor von 4 Größenklassen. Sie liegen etwa ein Drittel Vollmonddurchmesser auseinander. Damit sind sie leicht erkennbar und keine besondere Herausforderung für das bloße Auge.

In einem kleinen Teleskop wird sichtbar, das Mizar selbst ein Doppelstern ist. Die Komponente A ist 2,2 Größenklassen hell, die Komponente B 3,9 Größenklassen. Es ist der erste echte Doppelstern, der als solcher erkannt wurde. Möglicherweise hat bereits Benedetto Castelli, ein Schüler Galileis, 1617 beobachtet, dass bei Mizar zwei Sterne zu sehen sind. Der deutsche Astronom Gottfried Kirch hat um 1700 vermutet, dass sich die beiden Sterne umkreisen. Wenn zwei Sterne durch Schwerkraft aneinander gebunden sind, spricht man von einem physischen oder echten Doppelstern. Stehen zwei Sterne nur aus unserer Sicht beieinander und sind in Wirklichkeit weit voneinander entfernt sind, nennt man das Paar einen optischen Doppelstern. Regelmäßige Vermessungen von Mizar werden seit 1755 geführt und zeigen, dass beide Komponenten den gemeinsamen Schwerpunkt in etwa 5000 Jahren umlaufen. Durch Untersuchungen des Spektrums bei beiden Komponenten konnte festgestellt werden, dass Mizar A und B jeweils wiederum Doppelsternsysteme sind, was auf ein Vierfachsystem schließen lässt. Lange Zeit galt die Auffassung, dass Alkor ein Einzelstern ist. Auch hier lassen spektrale Untersuchungen aus dem Jahr 2009 auf einen Doppelsterncharakter schließen. Die Entfernung des Systems Mizar beträgt 78 Lichtjahre, während Alkor etwa drei Lichtjahre weiter entfernt liegt. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass zwischen beiden Systemen keine gravitative Bindung besteht. Bedenkt man aber, dass die Entfernungsmessung in diesem Bereich eine Genauigkeit von zwei Lichtjahren aufweist, so ist annähernd die gleiche Entfernung denkbar. Damit ist heute die Frage nach der wahren Doppelsternnatur von Mizar/Alkor, physisch oder optisch, nicht geklärt.

  

 

Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels Mitte des Monats gegen 22.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

Bildtext: Mizar und Alkor markieren den mittleren Deichelstern des großen Wagens und stellen das bekannteste Doppelsternsystem dar.

Jochen Engelmann

Leiter der Schulsternwarte und des Planetariums „Sigmund Jähn"