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Der Sternhimmel im Mai 2020

Mit dem nahenden Sommer beginnt die nächtliche Dunkelheit deutlich später. Erst gegen 23 Uhr ist es zur Monatsmitte endlich dunkel. Die typischen Frühlingssternbilder füllen die südliche Himmelsgegend. Während die Jungfrau am Abend den Meridian passiert, hat der Löwe bereits den südwestlichen Himmel erreicht und Bootes sowie die Nördliche Krone stehen hoch im Südosten. Nördlich der beiden dominanten Frühlingsfiguren ist die Konstellation des Herkules zu finden.

Es handelt sich um ein kleineres, durchschnittlich helles, aber doch markantes Sternbild, das den griechischen Helden gleichen Namens verkörpert. Eigenartigerweise ist dessen Position kopfstehend. Die Sterne im Norden bilden die Füße, während Ras Algethi, sein hellster Stern, im Süden sein Haupt markiert. Der Name stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Kopf des Knienden“.

Die Zentralregion des Sternbildes wird durch eine trapezähnliche Figur gebildet. Auf der nach Westen weisenden Seite liegt der hellste und schönste Kugelsternhaufen am Nordhimmel. Charles Messier hat das Objekt 1764 als M 13 in seinem Katalog der nebelhaften Objekte aufgenommen. Er konnte mit seinem Instrument keine Sterne erkennen und beschreibt deshalb das Objekt als Nebel. Die Entdeckung der Sternansammlung geht allerdings auf Edmond Halley im Jahr 1714 zurück. William Herschel war mit seinem Teleskop 1783 in der Lage, das Objekt in Einzelsterne aufzulösen.  

Der Haufen enthält mehr als 30.000 Sterne, wobei eine genaue Zählung im Zentrum nicht möglich ist, da dieser Bereich wie eine einzig glühende Masse erscheint. Dennoch liegen die Sterne mindestens ein Lichtjahr voneinander entfernt. Stellt man sich die Sterne als Sandkörner vor, dann verteilen sie sich in einer mehrere hundert Kilometer großen Kugel, wobei jedes Korn vom nächsten einige Kilometer entfernt liegt. Der Himmel böte von einem hypothetischen Planeten, der um einen Stern des Sternhaufens kreist, einen einzigartigen Anblick. Unzählig viele Sterne mitunter so hell wie Venus oder der Vollmond wären ständig sichtbar. Die dichte Konzentration von Sternen war auch der Grund dafür, dass M13 als Ziel einer Botschaft für eine fremde bewohnte Welt ausgewählt wurde, die mit dem Radioteleskop von Arecibo in Puerto Rico versandt wurde. Das Radiowellensignal, das einmalig am 16. November 1974 gesendet wurde, enthielt Informationen über die Biologie des Menschen, die menschliche Population und die Herkunft des Signals. Mit der Ankunft des Signals ist allerdings erst in etwa 24.000 Jahren zu rechnen. Tatsächlich stellte die Arecibo-Botschaft vor allem eine riesige Werbeaktion dar, da an diesem Tag das Radioteleskop nach dreijähriger Reparaturzeit wieder in Betrieb genommen wurde.

M 13 liegt mit 160 anderen Kugelhaufen in einer Sphäre um unser Milchstraßensystem und besitzt extrem alte Sterne von bis zu 13 Milliarden Jahren. Derartige Aussagen sind möglich mit dem wichtigsten Zustandsdiagramm der Astrophysik, dem Hertzsprung-Russell-Diagramm. Indem die Einzelsterne hier eingeordnet werden, ergibt sich eine für den Sternhaufen typische Figur, die Altersabschätzungen zulässt. Kugelsternhaufen, so auch M 13, sind danach die ältesten Objekte der Milchstraße. Diese Einstufung zeigt sich verträglich mit den Altersangaben für das Universum, das mit etwa 14 Milliarden Jahren angesetzt wird.

Unter günstigen Bedingungen ist M 13 schon mit kleinen Teleskopen zu sehen. In mondlosen, extrem klaren Nächten vielleicht sogar mit bloßem Auge. Wer dieses Highlight einer sommerlichen Beobachtungsnacht mit einem Teleskop von etwa 20 cm Öffnung gesehen hat, wird den beeindruckenden Anblick tausender Einzelsterne nicht mehr vergessen. 

 

Der Sternhimmel im Mai 2020

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 22.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

Jochen Engelmann