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Der Sternhimmel im August 2019

In den spürbar längeren Sommernächten des August ist die prachtvolle Milchstraße mit ihren hellsten Bereichen eine lohnende Himmelsgegend, die sowohl bei der Betrachtung mit bloßem Auge als auch mit dem Teleskop einen besonderen Reiz hat.  Bereits gegen 22.00 Uhr zeigen sich die Zenite nahen Gebiete unserer Galaxie deutlich, vorausgesetzt man befindet sich an einem Beobachtungsort, der frei von irdischen Lichtquellen ist. Auffällig strahlt dort der helle Stern Wega, der mit 0 Größenklassen der zweithellste Stern des Nordhimmels ist und bläulich-weiß leuchtet. Er ist der Hauptstern des Sternbildes Leier. Die Figur ist leicht einprägsam, da eine Gruppe von vier Sternen, die unterhalb von Wega stehen, die Form eines Parallelogramms bilden. Es ist eines der kleinsten Sternbilder des Himmels und soll an das Saiteninstrument Lyra erinnern, auf dem Orpheus spielte, um seine verstorbene Gattin aus der Unterwelt zurückzuholen.

 

Zwischen den beiden unteren Sternen des kleinen Parallelogramms findet man den berühmten Ringnebel M 57. Schon in kleinen Teleskopen ist er als „Rauchring“ erkennbar. Entdeckt wurde dieses rundliche Nebelfleckchen am 31. Januar 1779 von dem Kometenjäger Charles Messier, der ihm in seinem Katalog nebelhafter Objekte die Nummer 57 verpasste. Von der Größe her gleicht er dem Jupiterscheibchen, nur erheblich blasser. Die Farbe ähnelt eher dem Planeten Uranus. Friedrich Wilhelm Herschel, Entdecker des Planeten Uranus, sprach daher von einem "Planetarischen Nebel", wohl wissend, dass es sich bei diesem Objekt weder um einen Planeten noch um einen Kometen handeln kann. Denn das nebelhafte Gebilde behält seinen Ort im Sternbild der Leier bei und bewegt sich nicht. Es muss daher im interstellaren Raum liegen, bei dem man heute von einem "Deep Sky"-Objekt spricht.  

 

 

Die Nebelhülle von M 57 wurde vor knapp 10.000 Jahren von dem alternden Zentralstern abgestoßen, der sich damit von seiner äußeren Schicht getrennt hat. Dieser Prozess erfolgt durch einen heftiger werdenden Sternwind. Nach und nach wird der heiße Kern des Sterns freigelegt. Bei einer Temperatur von 30.000 K wird hochenergetische ultraviolette Strahlung ausgesandt und die Gashülle wird als Planetarischer Nebel sichtbar. Der Stern im Zentrum hat das Stadium eines Weißen Zwergs erreicht. Da der Zentralstern von M 57 eine scheinbare Helligkeit von nur 15 Größenklassen hat, wurde er erst im Jahr 1800 entdeckt. Der Ringnebel dehnt sich gegenwärtig weiter aus, getrieben von dem Sternwind und wird in einigen Zehntausend Jahren für unsere Augen nicht mehr erkennbar sein. Auch unserer Sonne blüht einmal ein ähnliches Schicksal. 

 

In unserer Galaxis sind rund eintausend planetarische Nebel bekannt. Es werden weitere zehntausend derartige Objekte vermutet, die von Staubwolken verdeckt sind. Da die meisten der 300 Milliarden Sterne der Milchstraße eine Phase als Planetarischer Nebel durchlaufen werden, erscheinen diese Zahlen als zu gering. Es gilt allerdings zu bedenken, dass es nur rund 50.000 Jahre dauert, bis sich diese leuchtenden Hüllen im All verteilt haben. Damit ist auf der astronomischen Zeitskale die Lebensdauer eines Planetarischen Nebels so kurz und dramatisch wie die Explosion eines Feuerwerkskörpers in unserem Leben.

 

 

                               Sternhimmel August 2019

 

 

Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels Mitte des Monats gegen 22.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

Jochen Engelmann