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Der Sternhimmel im April 2017

Die optimale Sichtbarkeit für ein Objekt des Sonnensystems ist gegeben, wenn es von der Erde aus gesehen der Sonne gegenüber steht. Man nennt eine solche Konstellation Opposition. Das Gestirn geht bei Sonnenuntergang auf, ist die ganze Nacht sichtbar und geht erst bei Sonnenaufgang wieder unter. Des Weiteren ist das Objekt in seiner erdnächsten Position und leuchtet somit besonders hell. Am 7. April nimmt Jupiter, der größte Planet des Sonnensystems, diese Stellung ein. Mit einer Helligkeit von -2,4 Größenklassen ist Jupiter im April nach dem Mond das hellste Gestirn am Nachthimmel und gewährt mit einer Höhe von bis zu 35° günstige Sichtbedingungen. Zur Zeit der Opposition beträgt sein Abstand zur Erde 666 Millionen Kilometer, für die das Licht 37 Minuten benötigt. Im Fernrohr ist deutlich die ovale Form des Jupiterscheibchens auszumachen sowie seine hellen Streifen und dunklen Wolkenbänder. Durch die schnelle Rotation ist der Jupiterglobus merklich abgeplattet. Der Poldurchmesser ist um 1/16 kürzer als der Äquatordurchmesser. Jupiter ist elfmal so groß wie die Erde und ist 2,5-mal schwerer als alle anderen Planeten. Er bildet damit eine wichtige Komponente des Massegleichgewichts des Sonnensystems. So stabilisiert Jupiter durch seine Masse den Asteroidengürtel. Ohne seinen Einfluss könnten häufiger Asteroiden ihre angestammten Bahnen verlassen und der Erde nahe kommen.

Es ist reizvoll, das tägliche Wechselspiel der vier hellen Jupitermonde zu verfolgen, die schon in einem Fernglas zu erkennen sind. Bereits Galileo Galilei entdeckte 1609 die vier hellen Trabanten. Inzwischen sind 67 Monde des Jupiters bekannt. Doch der König der Planeten hat noch andere Begleiter auf seiner Wanderung um die Sonne. Einige laufen in seiner Bahn vor ihm her, andere folgen ihm nach. Dies mag ungewöhnlich erscheinen, denn in einer Planetenbahn kann sich normalerweise kein weiterer Himmelskörper aufhalten. Er würde in kürzester Zeit durch die Gravitationskräfte von Sonne und Planet aus der Bahn geworfen werden. In speziellen Fällen ist es dennoch möglich, wie der Mathematiker und Himmelsmechaniker Joseph-Louis Lagrange 1772 bewies. Für ihn war es eine reine Kuriosität zu zeigen, dass es sogenannte Librationspunkte einer Planetenbahn gibt, in denen sich ein Kräftegleichgewicht mit stabilen Positionen für massearme Körper aufbaut. Zwei dieser Punkte bilden mit dem Planeten und der Sonne jeweils ein gleichseitiges Dreieck. Also muss sich ein Körper, der sich in einem dieser Punkte befindet auf der Planetenbahn 60° versetzt dem Planeten vorauslaufen oder hinterhereilen.

Die große Sensation war das Auffinden von Planetoiden, die genau die berechneten Positionen auf der Jupiterbahn einnehmen. 1906 entdeckte Max Wolf von der Heidelberger Sternwarte den Planetoiden Achilles, der Jupiter im 60° Winkel vorausläuft. Noch im gleichen Jahr wurde Patroclus entdeckt, der im gleichen Winkelabstand dem Planeten nachläuft. Die Planetoiden in der Jupiterbahn wurden nach den Helden des Trojanischen Krieges benannt. Die Griechen belagerten die Stadt Troja, die sie schließlich mit einer List in Gestalt des Trojanischen Pferdes in Besitz nahmen. Die vorauseilenden Planetoiden erhielten die Namen von griechischen Helden, die nachlaufenden Planetoiden die trojanischer Krieger. Während bis 1977 lediglich 25 Trojaner bekannt waren, stieg die Zahl bis 2014 gewaltig an auf 4075 Trojaner in der vorauseilenden Position und 2200 Trojaner in der nachlaufenden Position. Der große Unterschied in der Anzahl der beiden Gruppierungen ist bis heute ein Rätsel. Wenige der Trojaner haben Durchmesser von etwa 100 Kilometern, die meisten sind winzige Weltraumbrocken. Achilles und Patroclus zählen mit jeweils 150 Kilometer Durchmesser zu den größten Vertretern.

 

 

 

Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels Mitte des Monats gegen 21.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

Bildtext: Bild 8/13 Die Trojaner in der Jupiterbahn sind meist kleine Planetoiden, die dem Riesen in einer festen Position vorauseilen bzw. nachlaufen.

Jochen Engelmann

Leiter der Schulsternwarte und des Planetariums „Sigmund Jähn“ Rodewisch