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Der Sternhimmel im November 2019

Die Beobachtung des innersten Planeten des Sonnensystems, Merkur, ist schwierig. Aufgrund seiner Sonnennähe befindet er sich für einen Betrachter von der Erde stets in einem kleinen Winkelabstand von ihr. Da dieser nur maximal 28° betragen kann, ergibt sich die Möglichkeit seiner Sichtung nur am Abend- oder Morgenhimmel. Andererseits bewegt sich Merkur mit hoher Bahngeschwindigkeit um die Sonne. Mit 48 Kilometern pro Sekunde ist er der schnellste Planet und benötigt nur 88 Tage für einen Sonnenumlauf. Er verändert seine Position sehr schnell und ist drei- bis viermal pro Jahr für wenige Wochen in der Dämmerung sichtbar. Für 2019 war im Juni die letzte günstige Abendsichtbarkeitsperiode. Die nächste Morgensichtbarkeit wird sich Ende des Monats und Anfang Dezember. In diesem Zeitraum schafft es der Planet auf einen westlichen Winkelabstand von 20° von der Sonne.

Eine Beobachtungsmöglichkeit des flinken Planeten der besonderen Art wird sich in den Nachmittagsstunden des 11. November ereignen. Interessenten können bei günstiger Witterung einen Merkurtransit verfolgen. Damit charakterisiert man die sichtbare Passage des Planeten vor der Sonnenscheibe. Allerdings benötigt man ein Teleskop, das mit einem Sonnenschutzfilter versehen ist. Diesem Umstand gilt es größte Aufmerksamkeit zu widmen, da ansonsten irreversible Augenschäden eintreten können. Merkur zeigt sich als kleines, schwarzes Scheibchen mit scharfem Rand. Dadurch unterscheidet sich der Planet von möglicherweise ähnlich großen Sonnenflecken.

Der Merkurtransit beginnt gegen 13.35 Uhr, wenn der Planet von links kommend die Sonnenscheibe in der unteren Hälfte berührt. Um 16.20 Uhr ist Merkur am tiefsten in die Sonnenscheibe vorgedrungen und gegen 19.04 Uhr endet der Durchgang. Da aber bereits 16.42 Uhr der Sonnenuntergang erfolgt, ist somit nur die erste Hälfte beobachtbar. Zur Zeit der Mitte des Transits steht die Sonne nur noch 2,5° über dem Südwesthorizont.

Merkurtransite finden unregelmäßig im Abstand von einigen Jahren statt. Im 21. Jahrhundert kommt es zu 14 sichtbaren Passagen des Planeten vor der Sonne. Der letzte Transit war am 9. Mai 2016. Nach dem Ereignis vom 11. November müssen wir bis zum 13. November 2032 warten, um eine weitere Passage des flinken Planeten zu erleben. Obwohl Merkur im Mittel alle 116 Tage zwischen Sonne und Erde steht, kommt es nur im Ausnahmefall zum Transit. Das ist darin begründet, dass seine Umlaufbahn um die Sonne um 7° geneigt ist gegenüber der Erde.

Erst nach der Erfindung des Teleskops war es möglich, Merkurtransite wahrzunehmen. Die erste dokumentierte Beobachtung stammt vom 7.11.1631 und geht auf den französischen Astronomen Pierre Gassendi zurück. Johannes Kepler hatte 1629 diesen Transit berechnet, konnte ihn jedoch wegen seines Todes ein Jahr später nicht beobachten. Mehrere berühmte Astronomen, wie der Pole Johannes Hevelius und der Holländer Christian Huygens, verfolgten einen Transit am 3. Mai 1661. Edmond Halley hat am 7. November 1677 Messungen zu einem Merkurtransit vorgenommen. Dabei ersann er ein Verfahren, mit dem man bei einer solchen Beobachtung die Dimension des Sonnensystems berechnen kann. Allerdings erschien ihm die Merkurscheibe vor der Sonne für exakte Messungen als zu klein. Deshalb favorisierte er für ein solches Vorhaben einen Venustransit, da Venus vor der Sonne mit dem etwa fünffachen Merkurdurchmesser erscheint. Er konnte leider keine Passage der Venus vor der Sonne verfolgen und auswerten, da ein solches Ereignis erst 1761 zu erwarten war, 19 Jahre nach seinem Tod. Spätere Generationen von Astronomen nutzten seine Überlegungen und bestimmten damit die Länge der Astronomischen Einheit, den Abstand von der Erde zur Sonne. 

                              SternhimmelNovember

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 19.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MEZ

 

Jochen Engelmann