Der Sternhimmel im Oktober 2026
Im Oktober kann man in den langen und dunklen Nächten einen faszinierenden Anblick des Sternhimmels erleben. Seit Herbstbeginn haben wir fast eine Stunde an Beobachtungszeit hinzubekommen. Der Große Wagen verliert allmählich an Höhe und bewegt sich im absteigenden Teil seiner Bahn um den Polarstern. Die Sternenfigur des Himmels-Ws, die Kassiopeia, steht zurzeit hoch über dem Beobachter. Beide Sternbilder sind zirkumpolar, gehen also nicht auf und unter. Ebenso zählen der Kleine Wagen, zu dem der Polarstern gehört, sowie der Drache zu den zirkumpolaren Figuren. Der nördlich vom Polarstern befindliche Drache zeigt sich als schwächeres, aber ausgedehntes Sternbild, das sich zur Hälfte um den Nordpol dehnt und den Kleinen Bären teilweise einschließt. Das leider wenig beachtete Sternbild liegt abseits der Milchstraße, weshalb der Blick in diese Gegend nie durch Sternwolken oder Dunkelwolken geschwächt ist. Die Ästhetik der Spindelgalaxie und des Katzenaugennebels können Fernrohrbeobachter faszinieren.
Drachen kommen in vielen alten Erzählungen vor. Von daher verwundert es nicht, dass sich ein solches Fabelwesen auch am Firmament befindet. Nach der griechischen Mythologie handelt es sich um den mit hundert Köpfen ausgestatteten Drachen Ladon, der von Herkules getötet wurde. Andere griechische Interpretationen beschreiben eine gewundene Schlange.
Der Kopf wird von vier Sternen gebildet, die zum Helden gerichtet sind. Er starrt ihn mit zwei verschiedenfarbigen Augen an, die von dem gelbgrün leuchtenden Alwaid und dem rot strahlenden Etamin gebildet werden. Etamin ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 2,2 Größenklassen hellster Stern des Sternbildes und wird auch mit der Bezeichnung Gamma Draconis geführt. Er wurde als Forschungsobjekt des englischen Astronomen James Bradley 1725 zu einer Berühmtheit. Es war die Zeit, in der sich die Vorstellung durchsetzte, dass die Erde die Sonne umkreist. So glaubte man, dass man diese Bewegung eigentlich wahrnehmen können müsste. Mit seinem Teleskop beobachtete Bradley Etamin, der in Südengland genau im Zenit zu sehen ist. Somit stand der Stern senkrecht über dem Teleskop. Das Sternenlicht kam wegen der Bewegung der Erde nicht genau in der Mitte des Bildes an, sondern leicht verschoben. Um Etamins Lichtstrahl mittig zu sehen, musste er das Teleskop um einen kleinen Winkel kippen. Diesen Effekt nennt man die Aberration, was so viel wie Abweichung bedeutet. Er gilt als erster direkter Beweis für die Erdbewegung.
Der Hauptstern des Drachen ist allerdings Thuban, auch alpha Draconis genannt. Es ist zwar nur der achthellste Stern der Figur, er nimmt aber eine besondere Position in der Nähe des Himmelsnordpols ein. Da sich aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse, der Präzession, die Lage des Himmelspols verändert, können andere Sterne die Funktion des Polarsterns übernehmen. Vor 5000 Jahren war Thuban nördlicher Polarstern, der allerdings nicht so markant war wie unser heutiger. Er ist nur etwa ein Fünftel so hell.
Nach dem Sternbild ist auch ein Meteoritenstrom benannt, die Draconiden, der zu Monatsbeginn auftritt und am 8. Oktober seinen Höhepunkt hat. Der Radiant liegt etwas nördlich der Augensterne des Drachen. Die Meteorhäufigkeit schwankt von Jahr zu Jahr erheblich. 2018 wurde eine stündliche Sternschnuppenrate von 100 registriert, wobei hellere Meteore eher selten sind. Da die Bahn des Ursprungskometen sich verändert hat, kommt der Strom der Erde nicht mehr so nahe und es ist mit einer bescheidenen Meteorrate zu rechnen.
Anblick des Sternhimmels zur Monatsmitte gegen 21.00 Uhr
Jochen Engelmann
