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Der Sternhimmel im September 2021

 

Im September wächst die Länge der astronomisch dunklen Nacht auf über acht Stunden. Außerdem sind Himmelsbeobachtungen immer noch bei angenehmen Temperaturen möglich. Zu Nachtbeginn spannt sich die Milchstraße in hohem Bogen über das Firmament. Bei Beobachtungen weit ab von störendem Fremd- und Mondlicht ist das schimmernde Band in idealer Weise beobachtbar.

Die Sterne des Sommerdreiecks markieren deren Verlauf und stehen in den Abendstunden hoch in südlicher Richtung. Mit dem Herbstbeginn, der am 22.September um 21.21 Uhr erfolgt, ändert sich der Sternhimmel allmählich.

Das Herbstviereck verdrängt langsam die Sommerfiguren vom Abendhimmel. Mit dieser neuzeitlichen Sternbildbezeichnung ist die Figur des Pegasus gemeint. Das geflügelte Pferd der griechischen Antike nimmt seinen Platz mit dem Rücken nach unten gekehrt ein. Am Herbsthimmel fällt das mächtige Quadrat aus Sternen zwischen zweiter und dritter Größenklasse hoch im Osten sofort auf. Doch Herbstviereck und Pegasus sind nicht völlig identisch. Einmal gehört der nordöstliche Eckstern des Vierecks, Sirrah, zum Sternbild Andromeda und zum anderen zählen noch zahlreiche Sterne weit westlich vom Herbstviereck zum mächtigen Sternbild Pegasus.

In dieser unauffälligeren Region liegt Enif, der mit einer scheinbaren Helligkeit von 2,4 Größenklassen hellster Stern der Figur ist. Während das mächtige Quadrat die Flügelpartie des Fabelwesens markiert, soll Enif dessen Nase darstellen, die gelegentlich schnaubt. So könnte man sich bildlich die Helligkeitsausbrüche vorstellen, die schon mehrfach beobachtet wurden. Er ist ein orangefarbener Überriese in 670 Lichtjahren Entfernung, auf dem gelegentlich heftige Ausbrüche stattfinden, die für die Helligkeitsänderungen verantwortlich sind. Im September 1972 soll er für wenige Minuten einen Lichtausbruch gehabt haben, der ihn bis zu 0,7 Größenklassen leuchten ließ. Das könnte ein Anzeichen seiner bevorstehenden Detonation sein. Es kann aber durchaus noch einige Millionen Jahre dauern, bis der massereiche orangefarbene Riesenstern als Supernova explodiert oder seine Hülle abbläst und als weißer Zwerg endet.

Ein wenig nordwestlich von Enif, stößt man auf den kugelförmigen Sternhaufen M 15. Dieses wahre Prachtexemplar in der Gruppe der Kugelsternhaufen wurde 1746 auf der Suche nach einem Kometen entdeckt. Zunächst wurde das Objekt als nebelhafter Stern beschrieben. Erst 1783 gelang es Wilhelm Herschel dessen wahre Natur zu entdecken. Im Fernglas zeigt sich dem Beobachter nur ein kleiner unscharfer Lichtklecks. Erst bei Gebrauch von größeren Teleskopen wirkt die Zentralregion, wo sich unzählige Sterne dicht zusammendrängen, besonders brillant. Obwohl man die Sterne hier nicht trennen kann, liegen sie mindestens ein Lichtjahr auseinander. Bis zu 100.000 Sterne zählen zu einem solchen Sternhaufen. Die Mitglieder eines Kugelhaufens sind ungefähr gleich alt, besitzen die gleiche chemische Zusammensetzung und gehören zu den ersten, die sich in einer Galaxie bilden. Damit sind deren Vertreter mindestens zehn Milliarden Jahre alt. Kugelhaufen werden deshalb auch „Ahnen des Universums“ genannt.

Nur geringfügig schwächer wie Enif leuchten die beiden rechten Ecksterne des Sternenvierecks Scheat und Markab. Die Verbindungslinie zwischen den beiden Sternen eignet sich gut als Orientierungshilfe zum Auffinden der Nordrichtung. Verlängert man die Abstandstrecke zwischen den beiden Sternen über Scheat nach oben hinaus, so trifft man in sechsfachem Abstand auf den Polarstern. Etwa auf halber Strecke befindet sich der mit bloßem Auge gerade noch erkennbare Stern 51 Pegasi, der nach neuester Nomenklatur Helvetios heißt. 1995 haben Schweizer Forscher bei dem sonnenähnlichen 45 Lichtjahre entfernten Stern den ersten Exoplaneten entdeckt. In 20-mal geringerer Entfernung als die Erde um die Sonne taumelt er in nur vier Tagen um sein Zentralgestirn. Vermutlich handelt es sich um einen Gasplaneten mit halber Jupitermasse. In den folgenden Jahrzehnten fanden Himmelsforscher immer mehr Exoplaneten, so dass bis heute mehr als 4600 Planeten bekannt sind, die um ferne Sterne kreisen.

 

Himmelsanblick zur Monatsmitte gegen 21.00 Uhr

 

 

 

 

Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels Mitte des Monats gegen 21.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

 

Jochen Engelmann

 

 

 

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