Teilen auf Facebook   Teilen auf Google+   Als Favorit hinzufügen   Link verschicken   Drucken
 

Der Sternhimmel im Oktober 2018

Im Oktober kann man in den langen und dunklen Nächten einen faszinierenden Anblick des Sternhimmels erleben, wenngleich er sich nicht mit dem glanzvollen Winterhimmel vergleichen lässt. Seit Herbstbeginn haben wir fast eine Stunde an Beobachtungszeit hinzubekommen. Zur Monatsmitte ist die Abenddämmerung gegen 20.00 Uhr beendet. Lohnenswert ist es, die Gegend der Milchstraße mit ihren markanten Sternbildern, Gasnebeln und Sternhaufen zu betrachten.

Im Zenitbereich des Milchstraßenbandes ist das Himmels-W leicht zu entdecken. Dieses weithin bekannte Sternbild umfasst fünf helle Sterne, deren Anordnung ein leicht schiefes W ergibt. Durch die wechselnde Position der Figur spricht man auch vom Himmels-M. Es ist nach dem Großen Wagen die markanteste Figur des Nordhimmels. Beide Sternbilder sind gute Wegweiser am Nachthimmel. Nimmt man den Polarstern als Mitte, stehen sich beide Figuren nahezu gegenüber. Genau wie der Große Wagen ist auch das Himmels-W zirkumpolar, geht also nicht auf und unter. Die offizielle Namensgebung der Figur, Kassiopeia, geht auf die gleichnamige mythische, äthiopische Königin zurück. Gemeinsam mit ihrem Gemahl Kepheus und der Tochter Andromeda wurden sie an den Himmel versetzt.

 

Im Sternbild Kassiopeia beobachtete im November 1572 der dänische Astronom Tycho Brahe eine Supernova, eine Sternenexplosion. Ein derartiges Phänomen war allerdings in der damaligen Zeit schwer zu interpretieren. Brahe zeichnete die Helligkeit der lichtstarken Erscheinung auf und stellte fest, dass diese stetig abnahm. Anfangs dürfte sie Venushelligkeit gehabt haben, nach 100 Tagen war sie immer noch so hell wie die Wega, bevor sie dann im März 1574 verschwand. Über mehrere Monate hinweg untersuchte Brahe die Lage und Entfernung zu anderen Sternen. Das Ergebnis seiner langwierigen und präzisen Beobachtungen war, dass das Objekt exakt seine Position beibehielt. Daraus schlussfolgerte er, es müsse sehr viel weiter entfernt sein als der Mond und ordnete es den Sternen zu. Diese Interpretation war von fundamentaler Bedeutung, denn sie zeigte, dass das Weltall, nicht wie damals publiziert, vollkommen und unabänderlich ist. Brahe wurde damit zum berühmtesten europäischen Astronomen seiner Zeit. An der Stelle der von ihm entdeckten Supernova im Sternbild Kassiopeia kann man noch heute mit großen Teleskopen die Überreste der Supernova als feine Gaswolken betrachten. Während der Däne an einen neu entstandenen Stern glaubte, wurde es drei Jahrhunderte später als sterbender Stern identifiziert.

Unmittelbar westlich zur Kassiopeia liegt das Sternbild Kepheus, das nicht so auffällig ist. Verbindet man dessen helle Sterne, so ergibt sich die Figur eines einfachen Hauses mit einem spitzen Dach. Am westlichen Rand des Kepheus ist der berühmte Granatstern zu finden. Der deutsche Astronom William Herschel beschrieb ihn 1783 als granatrot. Die Helligkeit von My Cephei, wie das Objekt nach astronomischer Namensgebung heißt, schwankt zwischen 3,7 und 5 Größenklassen. Es lohnt sich also zur Beobachtung ein Teleskop oder wenigstens ein Fernglas zu nutzen. Er zählt zu den Roten Überriesen und leuchtet 100.000-mal kräftiger als die Sonne. Sein Durchmesser dürfte 2.400-mal so groß sein wie der unseres Zentralsterns. An dessen Platz gestellt, würde er über die Erde hinaus bis zur Saturnbahn reichen. Ein solch riesiger Stern, der nach Schätzungen die 25-fache Sonnenmasse hat, wird sein Sternendasein nach einigen Millionen Jahren beenden und möglicherweise als Supernova explodieren. Beobachtern der Erde stünde dann ein ähnliches Schauspiel bevor, wie es Tycho Brahe vor knapp 450 Jahren erlebte.

 

Sternhimmel Oktober 2018

 

 

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte Oktober gegen 20.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ