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Der Sternhimmel im August 2020

Im August hat man die Möglichkeit, abseits der Stadt die prachtvolle Milchstraße am Abendhimmel zu bestaunen. Das ausgeprägte Sommerdreieck zeigt uns den Verlauf des Lichtbandes im Zenit an, wobei die schönsten Partien im Sternbild Schwan zu finden sind. Die nördlichen Regionen erscheinen weniger auffällig und werden durch die Sternbilder Kassiopeia, Perseus und Fuhrmann markiert.

Die Figur des Perseus ist im Sommermonat August besonders populär, da ein Sternschnuppenstrom auftritt, der nach ihr benannt ist, die Perseiiden. Schwärme von Sternschnuppen treten jedes Jahr zu bestimmten Zeiten auf. Sie sind die Auflösungsprodukte von Kometen, die ihr Material entlang ihres Orbits verstreut haben. Im Lauf der Zeit verbreitern sich die Staubwolken. Somit kann die Erde mehrere Tage lang den Kreuzungsbereich passieren.

Der Perseus markiert die Himmelsgegend, aus der verstärkt in den Nächten vom 10. bis 14. August viele Sternschnuppen kommen. Zur Zeit des Maximums leuchten Sternschnuppen fast im Minutentakt auf. Leider liegt der Höhepunkt des Stroms in den Tagstunden des 12. August und ist damit nicht erfassbar. Es ist aber dennoch lohnend, in den angrenzenden Nächten konzentriert in den Nachthimmel zu schauen und die Glücksboten zu sichten. Dabei gibt es keine vornehmliche Beobachtungsrichtung. Lediglich die Himmelsgegend mit der geringsten Lichtverschmutzung sollte bevorzugt werden. Störend für die Beobachtung ist der Einfluss des Mondlichtes in der zweiten Nachthälfte.  

Es handelt sich bei den Sternschnuppen um eine Leuchterscheinung, auch Meteor genannt, die auf stark komprimierte Luft zurückzuführen ist. Verursacher sind meist stecknadelgroße Staubteilchen, die überwiegend von Kometen in Sonnennähe freigesetzt werden und in die Atmosphäre eindringen. Kometen kommen aus fernen Regionen des Sonnensystems und sind tiefgefrorene Gesteinsbrocken, die in Abhängigkeit ihrer Größe, Zusammensetzung und Sonnenabstand auch einen gut sichtbaren Schweif erzeugen können. Zu Sternschnuppenströmen kommt es, wenn längs einer Kometenbahn eine Teilchenwolke entsteht, die die Erde bei ihrem Sonnenumlauf trifft.

Als Ursprungskomet der Perseiiden gilt 109P/Swift-Tuttle. Er wurde am 16. Juli 1862 von den amerikanischen Astronomen Lewis A. Swift und Horace Tuttle entdeckt. Die mittlere Umlaufzeit des Kometen beträgt etwa 130 Jahre. Sein Perihel, der sonnennächste Punkt der Umlaufbahn, liegt mit 143,6 Millionen Kilometer noch innerhalb der Erdbahn. Letztmalig durchflog er ihn am 11. Dezember 1992 mit einer Geschwindigkeit von 42,6 Kilometern pro Sekunde. Seine Wiederkehr ist für das Jahr 2126 prognostiziert. Bei seinem nächsten Flug durch das innere Sonnensystem soll der Komet der Erde nicht näher als etwa 25 Millionen Kilometer kommen, was die Gefahr einer Kollision minimiert. Der von chinesischen Astronomen 69 v.u.Z. und 188 n.u.Z. beschriebene helle Komet konnte dem Kometen Swift-Tuttle zugeordnet werden. Es ist somit nicht verwunderlich, dass die erste nachgewiesene Beobachtung der Perseiden in China vor rund 2000 Jahren gelang.

Viele Menschen haben in zurückliegenden Wochen die Schönheit des Kometen Neowise erlebt und bestaunt. Sein auffälliges Erscheinen am Nachthimmel war außergewöhnlich und selten. Gut sichtbare vergleichbare Schweifsterne waren Hyakutake und Hale-Bopp von 1997 und Panstarrs von 2013. Der etwa fünf Kilometer großer Kern von C/2020 F 3, wie Neowise mit Katalogbezeichnung heißt, hat die Sonne innerhalb der Merkurbahn in nur 45 Millionen Kilometer Abstand passiert und große Mengen an ausgedampften Teilchen abgegeben. Auch wenn mit seinem Erscheinen erst in 6000 Jahren wieder zu rechnen ist, kann in der Zwischenzeit vielleicht die eine oder andere Sternschnuppe aus seiner Eiskruste die Schönheit unseres Nachthimmels bereichern.

Himmelsanblick zur Monatsmitte gegen 22.00 Uhr

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 22:00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

Jochen Engelmann