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Der Sternhimmel im September 2020

Marsbeobachtungen sind immer wieder spannend und interessant. Als erdähnlichster Planet des Sonnensystems zog und zieht er die Menschen in seinen Bann. In einem Jahr, zehn Monaten und 22 Tagen läuft der Mars einmal um die Sonne. Mit 6800 Kilometern Durchmesser ist er halb so groß wie die Erdkugel. Er besitzt nur 11 % der irdischen Masse und eine wesentlich geringere mittlere Dichte als die Erde. Ein Marstag ist 37 Minuten länger als ein Sonnentag auf der Erde. Die Rotationsachse des Planeten weicht um 24° von der Senkrechten ab, und ähnelt damit der Neigung der Erdachse. Somit gibt es auf dem Mars auch Jahreszeiten. Wegen des längeren Marsjahres dauern sie allerdings fast doppelt so lang wie die auf der Erde.  

Es sind die Wochen um die Opposition, in denen Beobachtungen lohnend sind. Allerdings tritt der Zeitpunkt, bei dem, von der Erde aus gesehen, sich Mars und Sonne genau gegenüberstehen, nur etwa alle zwei Jahre ein. Am 13. Oktober gelangt Mars in seine Oppositionsstellung im Sternbild der Fische. Zu dieser Zeit überholt ihn die Erde auf der Innenbahn und somit sinkt die Entfernung auf einen Minimalwert, der allerdings wegen der stark elliptisch geformten Umlaufbahn des Mars zwischen 55 und 100 Millionen Kilometern stark schwankt. Die aktuelle Marsopposition ist mit einer minimalen Distanz von 62,1 Millionen Kilometern relativ günstig. Mars wird bereits im September zum Planeten der ganzen Nacht und übersteigt mit einer Helligkeit von -2,5 Größenklassen zum Monatsende die des Jupiters. Der Planet ist somit nach der Venus, die allerdings erst am Morgenhimmel erscheint, das hellste sternförmige Objekt am Nachthimmel. Bei einer Kulminationshöhe von 45° bieten sich günstige Beobachtungsbedingungen. Zum Monatsanfang erfolgt sein Aufgang gegen 21.50 Uhr am Osthorizont und zum Monatsende zwei Stunden früher.

 

Der rötliche Glanz verleiht dem äußeren Nachbarn der Erde seine charakteristische Erscheinung. Aus diesem Grund wurde der Planet nach dem römischen Kriegsgott benannt. Die Erklärung für seinen Farbton liefern Eisenerze, die als wesentlicher Bestandteil des Marsgesteins gelten.

Bei geringer Luftunruhe sind im Teleskop schon leicht dunkle Oberflächenregionen und die Polkappen erkennbar. Wegen der langsameren Rotation kann man bei regelmäßigen täglichen Beobachtungen allmählich die gesamte Oberfläche des roten Planeten betrachten. Mitunter wird die Beobachtung durch atmosphärische Trübungen auf dem Mars erschwert, die durch gewaltige Staubstürme hervorgerufen werden.

 

Eigens wegen des Marsstaubs wurde der Marsrover Curiosity, der seit August 2012 auf dem Mars aktiv ist, mit einer Radionuklidbatterie zur Stromerzeugung ausgestattet. Damit hat man bei der Konstruktion erstmals auf Solarzellen verzichtet, da Staubablagerungen die Stromerzeugung erschweren können. Die Missionssdauer des Rover ist für ein Marsjahr ausgelegt. Mit einer Masse von 900 kg und der Größe eines kompakten Kleinwagens ist Curiosity bislang das mit Abstand schwerste von Menschen geschaffene Objekt auf der Marsoberfläche. Zur Zeit befindet sich ein noch um 100 Kilogramm schwereres Gefährt, Perseverance, im Anflug zum Mars, den er im Februar 2021 erreichen soll. Das wichtigste Ziel dieser Missionen ist eine Antwort auf die Frage zu finden: Existierte jemals Leben auf dem Mars?

 

In der Vergangenheit gab es weitreichende Vorstellungen einer Marszivilisation. Bei der günstigen Opposition im Jahr 1877 zeichnete der Italiener Giovanni Schiaparelli Marskarten. Ihm fielen dunkle Linien auf, die den Planeten wie ein Spinnennetz überzogen. Er glaubte an Rillen und Gräben und nannte sie „canali“. Bei Übersetzungen entstanden daraus Kanäle und der Glaube an deren Erbauer war geboren. Angetan von dem Kanalnetz des wasserarmen Mars und seiner Konstrukteure war der vermögende amerikanische Amateurastronom Percival Lowell. Er ließ 1894 in Flagstaff eine Sternwarte bauen, um in der klaren Luft Arizonas genauere Beobachtungen zu machen. Bald betrieb er die Astronomie als ernsthafte Wissenschaft und holte die besten Fachleute an sein Institut. Im Lowell-Observatorium wurden intensive Studien an allen Planeten und der Milchstraße durchgeführt sowie das Verfahren der Spektroskopie weiterentwickelt. Lowell konnte von der Vorstellung einer Marszivilisation nicht loslassen und war vom Kanalnetz überzeugt. Die meisten seiner Linien entsprechen allerdings keiner heute bekannten Struktur der Marsoberfläche. Im Jahr 1930, 14 Jahre nach Lowells Tod, war die Sternwarte Schauplatz der Entdeckung des lange Zeit als Planet geführten Pluto. Seine Initialen PL wurden dem Zwergplaneten vermutlich aus doppeltem Grund gegeben.  

 

Himmelsanblick zur Monatsmitte gegen 21.00 Uhr

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 21:00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

Jochen Engelmann