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Der Sternhimmel im Juli 2022

Im Sommermonat Juli ist der Rahmen für nächtliche Himmelsbeobachtungen eingeschränkt. Die Sonne steht in diesem Zeitraum in einer beachtlichen Mittagshöhe zwischen 58° und 63°. Da sie andererseits zur Mitternachtszeit nur zwischen 16° und 21°unter dem Horizont steht, tritt keine vollständige Dunkelheit ein, zumindest nicht in der ersten Monatshälfte. Als Kriterium für absolute Dunkelheit gilt das Ende der astronomischen Dämmerung, die bei 18° negativem Sonnenstand erreicht ist. Allerdings wird sich zum Monatsende hin die Taghelligkeit um etwa eine Stunde einschränken gegenüber dem 21. Juni, dem Tag der Sommersonnenwende.

Man muss bis gegen 22.30 Uhr warten, um den sommerlichen Sternhimmel ausgiebig betrachten zu können. Dennoch ist bereits bei fortgeschrittener Dämmerung das Sommerdreieck hoch am südöstlichen Himmel erkennbar. Es gibt eine gute Orientierung, um den Verlauf der Milchstraße zu erkennen. Folgt man deren Verlauf Richtung Südhorizont, so zeigt sich in geringer Höhe das Sternbild des Schützen. Der Schütze gehört zu den Tierkreissternbildern, da die Bewegungsebene des Sonnensystems, die Ekliptik oder auch Tierkreis genannt, durch diese Region führt. Sonne, Mond und Planeten sind stets auf dieser Linie oder in deren unmittelbarer Nähe zu finden.

Der Schütze stellt einen der beiden Zentauren am Himmel dar. Nach der griechischen Mythologie handelt es sich um Cheiron, einen heilkundigen, weisen Lehrer. Die Version vom Bogenschützen ist babylonischen Ursprungs und wurde von den Griechen übernommen. Der Schütze richtet seinen Pfeil auf den benachbarten Skorpion. Damit kommt Cheiron dem Himmelsjäger Orion zu Hilfe, der vom Skorpion bedrängt wird.

Wegen seiner südlichen Position und dem Fehlen von sehr hellen Sternen, ist der Schütze für uns kein auffälliges Sternbild. Seine markanten Sterne besitzen eine scheinbare Helligkeit von zweiter und dritter Größe. Der hellste Stern mit 1,9 Größenklassen ist Epsilon Sagittarii. Sein Eigenname lautet Kaus Australis, der "südliche Teil des Bogens". Wenige Grad nordwestlich von Gamma Sagittarii blicken wir direkt in das Herz unserer Galaxis. Leider ist es im sichtbaren Licht nicht beobachtbar. Der Kern der Milchstraße macht sich als starke Radioquelle Sagittarius A bemerkbar.

Die zentralen Partien des Schützen sind durchaus markant und einprägsam. Die Gegend ist reich an Sternhaufen und Gasnebeln. So gehören dem Himmelsareal des Schützen der Trifid-Nebel M 20, der Lagunen-Nebel M 8 und der Omega-Nebel M 17 an. Er liegt in 5.500 Lichtjahren Entfernung und ist bei günstigen Sichtbedingungen mit einer Helligkeit von 6 Größenklassen ein lohnendes Objekt für den Feldstecher. Der Omega-Nebel ist ein großes Sternentstehungsgebiet und enthält mehrere dunkle protostellare Wolken, so genannte Globulen. Er gehört zu den Emissionsnebeln, das heißt die Gasteilchen werden durch Sterne des Gebietes zum Leuchten angeregt.

Die Sonne wandert vom 18. Dezember bis 20. Januar durch den Schützen. Hier erreicht sie auch ihren Jahrestiefststand am 21. Dezember. Man spricht vom Wintersolstitium, weil anschließend die Sonne wieder zum Himmelsäquator hochklettert. Der Winterpunkt der Ekliptik liegt ziemlich genau zwischen den beiden Gaswolken Trifid-Nebel und Lagunen-Nebel.

Am 20. Juli erreicht der heute als Zwergplanet geführte Pluto im Schützen seine Opposition. Allerdings ist Pluto auch im Zustand der erdnächsten Position nicht ohne technische Hilfsmittel sichtbar. Mit seiner Helligkeit von 14,3 Größenklassen lässt er sich nur im Blickfeld eines großen Teleskops als winziges sternförmiges Objekt erkennen. Die Entfernung beträgt 5.019 Millionen Kilometer, was einer Lichtlaufzeit von etwa 4,6 Stunden entspricht. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er 248 Jahre. Damit ist es nicht verwunderlich, dass Pluto im Sternbild Schütze 17 Jahre zubringt, bevor er 2023 in den Steinbock wechselt.

Der Vollmond am 13. Juli hat ebenso seine Position im Schützen. Da der Mond zu diesem Zeitpunkt sogar noch tiefer wie die schon flache Ekliptik steht, wird er einen sehr kleinen und flachliegenden Nachtbogen beschreiben. Diese Situation hat dahingehend seinen Reiz, dass man so den Mond mit der Horizontsilhouette gut vergleichen kann. Dies führt aufgrund unserer optischen Wahrnehmung zu einer scheinbaren Anhebung der Mondgröße. Dem Julivollmond kommt auch noch der Status des Supervollmondes zu, ähnlich wie schon im Juni. Er befindet sich am 16. Juli in Erdnähe und erreicht mit 33,4 Bogenminuten seinen größten scheinbaren Durchmesser. Allerdings lässt sich dieser Umstand nicht mit unseren Sinnen erfassen.

Himmelsanblick zur Monatsmitte gegen 22.30 Uhr

 

Die Karte zeigt den Anblick des Sternhimmels Mitte des Monats gegen 22.30 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ

 

 

Jochen Engelmann

 

 

 

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