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Die Jagd nach den Kometen

Für das bloße Auge gehören die Kometen zu den beeindruckendsten Erscheinungen am Sternhimmel. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf, ziehen ihre Bahn für Tage oder Wochen über den Himmel, entfalten einen Schweif und entziehen sich dann wieder den Blicken der Beobachter. Bis in die Zeit des Mittelalters waren die Boten vom Rande des Sonnensystems von Mystik und Aberglaube umgeben.

 

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Der Engländer Edmund Halley erkannte, dass sie nicht zur Erde, sondern zu den Körpern des Planetensystems gehören. Er beobachtete im Jahre 1682 einen sehr hellen Kometen, dessen Erscheinen er in alten Aufzeichnungen über Jahrhunderte zurückverfolgen konnte. Nach der Ermittlung der Umlaufzeit errechnete er die Wiederkehr für das Jahr 1758 voraus.

 

Der Dresdner Bauernastronom Johann Georg Palitzsch fand den nach Halley benannten Schweifstern tatsächlich in diesem Jahr wieder, noch vor den Fachwissenschaftlern. Die Kometen sind bis in die heutige Zeit Lieblingsobjekte der Amateurastronomen geblieben.

 

 Bei ihrer Suche können sie den Wissenschaftlern, die ihre Teleskope meist auf weit entfernte Objekte richten und mit der modernen Rechentechnik die Beobachtungsergebnisse bearbeiten, erfolgreich helfen, zumal die Tradition seit Edmund Halley beibehalten wurde, den Kometen die Namen ihrer Entdecker zu geben.

 

Für die Rodewischer wurden sie auch zu bevorzugten Objekten. Nachdem sie ihre fotografische Ausrüstung um einen weiteren leistungsfähigen Astrographen erweitert hatten, tauchen im Jahre 1957 gleich zwei Kometen auf, die sogar ohne Fernrohr sichtbaren waren. Der Komet Arend-Roland zog in den April- und Maitagen seine Bahn über den Himmel, ihm folgte im August der Komet Mrkos (1957 d). Bei Arend-Roland waren die Wetterbedingungen so günstig, dass über viele Tage regelmässig Aufnahmen gemacht werden konnten.

 

Die Belichtungszeiten reichten von wenigen Minuten bis zu zwei Stunden. Charakteristisch für ihn war der Gegenschweif. Das optische Phänomen ergibt sich bei einer besonderen Lage des Schweifes zum Beobachter auf der Erde. Die letzte Aufnahme entstand bei einer Mondfinsternis im Mai.

 

Während der Totalität war der Himmel so dunkel, dass der Komet mit seinem mehrere Grad langen Schweif gut abgebildet werden konnte. Den Schweif des Kometen Mrkos kennzeichneten ausgeprägte Strahlen und eine Abknickung, die durch einen sprunghaften Anstieg der Sonnenaktivität erzeugt worden war. Keiner der helleren Kometen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jh. auf der nördlichen Halbkugel der Erde zu sehen waren, entging den Rodewischer Kometenjägern.

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 Bei  Ikeya-Seki erlebten sie eine ungewöhnliche Irritation.  Am ersten Tag, an dem die Beobachtungsbedingungen günstig waren, konnten sie den Komet nicht sehen. Sie schoben es auf eine Lampe, die durch einen Lichtstrahl den Himmel aufhellte. Die Lampe wurde fotografiert, um ihren störenden Einfluss zu beseitigen. Als sich bei der Überprüfung der Position der abgebildeten Sterne, herausstellte, dass genau der Ort des Kometen aufgenommen worden war, entpuppte sich der Lichtstrahl als heller  Schweif des Kometen.

 

19.jpg Der als Jahrtausendkomet angekündigte Komet Kohoutek im Jahre 1973 und die Wiederkehr des Halleyschen Kometen 1986 enttäuschten die Beobachter. Sie waren ohne Fernrohr nicht zu sehen. Um so größer war dann das Interesse an den beiden sehr hellen Kometen Hyakutake und Hale-Bopp in den Jahren 1996 und 1997. Hyakutake zog in nur 15 Mio. Kilometer an der Erde vorüber. In einer Vollmondnacht stand er zwischen dem Großen und dem Kleinen Wagen. Sein diffuser Kopf und ein 30° langer Schweif hoben sich trotz des Mondlichtes deutlich vom Himmelshintergrund ab. Hale-Bopp näherte sich der Erde bis auf 200 Mio. Kilometer. Seine Helligkeit ergab sich aus einem

 ungewöhnlich großen Durchmesser. Über drei Monate dauerte die Sichtbarkeit. In den ersten Apriltagen 1997 befand er sich in Erdnähe.

 

Tausende Besucher kamen zu seiner Beobachtung an die Schulsternwarte. Vor der Beobachtungskuppel bildeten sich lange Schlangen. Ebenso grosses Interesse fanden die Vorführungen im Planetarium, in denen die aktuellsten Aufnahmen des Kometen gezeigt wurde.

 

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