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Wie alles begann...

Die spontane Idee des Neulehrers Edgar Penzel, auf dem Turm der Pestalozzischule mit Schülern und Einwohnern der Stadt durch ein Fernrohr den Sternhimmel und seine faszinierenden Objekte zu beobachten, stand im Jahre 1950 am Anfang der Geschichte der Schulsternwarte Rodewisch. Bei den Verantwortlichen des damaligen Kreises Auerbach und den Stadtvätern von Rodewisch fanden diese Vorstellungen schnell Zustimmung. Suchte man doch in den Jahren nach dem schrecklichen 2. Weltkrieg neue Möglichkeiten für die schulische Bildung und die Freizeitgestaltung der Bürger.

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Die Beschaffung eines Fernrohres und einer Kuppel für den 26 m hohen Schulturm waren die ersten großen Probleme. Professor Wattenberg von der Berliner Archenhold-Sternwarte konnte helfen. Durch seine Vermittlung wurden von einer Privatsternwarte in Pulsnitz ein 100 mm Refraktor, eine Säule mit Achsensystem und elektrischem Antrieb gekauft. Schwierigkeiten bereitete auch die Errichtung der Kuppelmauer auf dem Turm. Alle Materialien mußten entweder hoch getragen oder mit einem Seil über eine Rolle hinauf gezogen werden. Eltern, Lehrer und Schüler beteiligten sich in den Sommerferien 1950 an dieser Arbeit.

 

Eine 4 m Kuppel war bei der Baufirma des Ingenieurs Alexander Franz in Dresden bestellt worden. Der begeisterte Amateurastronom montierte und erprobte das Schutzdach für das Fernrohr selbst vor Ort.

 

Am 23. September 1950 fand die feierliche Einweihung der Rodewischer Schulsternwarte statt. Hunderte Besucher nahmen an den anschließenden Besichtigungen teil. Eine totale Mondfinsternis drei Tage später war das erste große astronomische Ereignis, das von der neu entstandenen Sternwarte aus beobachtet werden konnte.

 

3.JPG Die Arbeit mit Schülern der Pestalozzischule und Beobachtungen für interessierte Bürger prägten in den ersten Jahren das Geschehen an der Sternwarte. Die Lehrer Edgar Penzel, Günther Etzold und Rudi Reuter gründeten astronomische Arbeitsgemeinschaften und führten regelmäßig öffentliche Beobachtungsabende durch. 1953 erhielt die Rodewischer Sternwarte einen 305 mm Cassegrain-Reflektor, das zur damaligen Zeit größte Fernrohr an einer Schulsternwarte in Deutschland. Den Tubus, das Achsensystem und die Säule des Spiegelfernrohres baute der Dresdner Alexander Franz.

 

Er verwendete dazu Teile der am Ende des 2. Weltkrieges durch Bomben zerstörte Straßenbahn seiner Heimatstadt. Den 305 mm Objektivspiegel schliff die Firma Wilke in Berlin.

Etwas Neues zu entdecken, einen Kometen oder einen kleinen Planeten, war von Anbeginn der größte Wunsch der jungen Astronomen von Rodewisch. Sie begannen mit einer Plattenkamera für Sternaufnahmen, einem Astrographen, eine systematische Himmelsüberwachung. Im Verlaufe der Jahrzehnte entstanden mehrere tausend Aufnahmen. Ihr Wunsch - etwas zu entdecken -  erfüllte sich jedoch nicht.  Dafür gelang es ihnen aber, eine sehr helle Feuerkugel und den Kometen Arend-Roland auf seiner Bahn über den Himmel zu fotografieren. 4.jpg