Der Sternhimmel im Januar 2021

 

Das Sternbild des Himmelsjägers Orion ist die Leitfigur des Winterhimmels, die in den Abendstunden den Meridian in halbhoher Position durchläuft. Dessen helle Sterne ergeben eine einprägsame unverwechselbare Konstellation. Für viele Beobachter ist es das Lieblingssternbild, da man mit etwas Fantasie eine Jägerfigur deuten kann.

Die beiden hellsten Sterne im Orion sind der rötlich leuchtende Beteigeuze, der die linke Schulter des Jägers markiert, und der weiß glänzende Rigel, der den rechten Fuß andeutet. Von Beteigeuze trennen uns vermutlich 500 Lichtjahre und von Rigel 800 Lichtjahre. Da Rigel trotz seiner großen Entfernung zu den hellsten Sternen am Himmel zählt, muss seine wahre Leuchtkraft enorm hoch sein. Er dürfte es auf die 60.000-fache Strahlungsleistung der Sonne bringen. Beteigeuze ist von großem astronomischen Interesse, da es sich um einen roten Überriesenstern mit dem etwa 750 fachen Sonnendurchmesser handelt. Beobachtbare Helligkeitsschwankungen deuten darauf hin, dass dieser Wert um bis zu 15 % schwankt. Der „Kriegsstern“, wie er auch gelegentlich genannt wird, wird sein Leben als Supernova beenden. Die zu erwartende gewaltige Detonation, die den Stern zerreißt wird von einem Helligkeitsausbruch begleitet werden, der die Helligkeit des Vollmondes erreichen kann. Den Zeitpunkt kann niemand angeben, vielleicht in einigen tausend Jahren oder doch schon zu unseren Lebzeiten. Möglicherweise fand die Explosion auch schon statt, und die Botschaft ist auf dem 500 Lichtjahre langen Weg zu uns.

Zwischen den beiden Riesensonnen stehen drei Sterne zweiter Größenklasse auffällig in einer Reihe. Da sie die Taillengegend des Jägers markieren, werden sie Gürtelsterne genannt. Zwei von ihnen, Alnitak und Alnilam, sind gleich hell. Der dritte Stern, Mintaka, ist etwas lichtschwächer und weicht von einer gedachten Geraden durch Alnitak und Alnilam geringfügig nach oben ab. Die drei Sonnen leuchten bläulich, was auf eine hohe Oberflächentemperatur schließen lässt. Durch die Untersuchung der Sternspektren wurde für alle drei ein Wert von 25.000 K ermittelt.

Möglicherweise galt die markante Anordnung als Bauplan für Bauwerke und Anlagen vergangener Kulturen. So gibt es seit Mitte der Neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine Theorie, nach der sich die Anordnung der Pyramiden von Gizeh nach dem Oriongürtel richtet. Die beiden helleren Gürtelsterne entsprechen dabei den fast gleichhohen Pyramiden Cheops und Chefren. Genauso wie der lichtschwächere Mintaka von der Geraden abweicht, steht auch die dritte Pyramide leicht abseits und ist nur halb so hoch. Eine weitere archäoastronomische Stätte Europas zeigt ähnliche Zusammenhänge. So stellen die Thornborough Henges in Yorkshire, England eine bedeutende Anlage dar, die etwa 5.000 Jahre alt ist. Es handelt sich um drei Kreisanlagen, die in ihrer Ausrichtung und Lage der Anordnung exakt der Sterne des Oriongürtels entsprechen. Sie könnten als bedeutende Kultstätte der Jungsteinzeit gedient haben. Obwohl bei beiden Anlagen die genannten Aspekte auf Zusammenhänge zwischen Orion und irdischer Anordnung schließen lassen, gilt unter Forschern die Beweislage heute als nicht ausreichend und bedarf weiterer Untersuchungen.

Zufällig steht Mintaka fast genau auf dem Himmelsäquator, einer Projektion des Erdäquators an die scheinbare Himmelskugel. Er verläuft vom Ost- zum Westpunkt am Horizont und markiert im Süden eine Höhe von 40°. Aufgrund der zentralen Lage des Orion bezüglich des Himmelsäquators kann man ihn fast von der gesamten Erde aus beobachten. Daher gibt es auch aus jedem Erdteil Sagen und Mythen rund um den Orion. Während Südseebewohner in ihm einen Schmetterling sehen, vergleichen ihn brasilianische Indianer mir einem Krokodil oder einer Schildkröte. Für die ägyptische Kultur war es Osiris, der Gott der Unterwelt, der mit seinem Boot auf dem unterirdischen Fluß, der Milchstraße, fuhr. In alten germanischen Deutungen findet man den Vergleich zu einem Pflug. Die gebräuchlichste Deutung als Jäger stammt aus der griechischen Antike.

 

 

Orion-Nebel

 

Der Orion-Nebel, das populärste Objekt im Orion, ist ein Sternentstehungsgebiet, das im Januar bei klarer Sicht als kleiner Nebelfleck mit bloßem Auge unterhalb der drei Gürtelsterne erkennbar ist.  Das Bild entstand mit einer IR-modifizierten Canon am 18.12.2020 mit 400 mm Brennweite und ist ein Komposit aus 20 Aufnahmen mit je 30 Sekunden Belichtungsdauer bei ISO 800.

Aufnahme: Olaf Graf

 

Sternhimmel Mitte Januar 2021, gegen 19.00 Uhr

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 19.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MEZ

 

Jochen Engelmann