Teilen auf Facebook   Teilen auf Google+   Als Favorit hinzufügen   Link verschicken   Drucken
 

Der Sternhimmel im Mai 2018

 

Blickt man abends in die Zenitgegend, so ist hier leicht der Große Wagen zu entdecken. Seine sieben hellen Sterne markieren die Gestalt eines Handkarrens. Drei Sterne stellen die Deichsel dar und vier entsprechen dem Wagenkasten. Folgt man dem Schwung der Wagendeichsel, so kommt man zum hellsten Stern des Nordhimmels, Arktur. Verlängert man den Bogen weiter in Richtung Süden, kommt man zu Spica, dem Hauptstern der Jungfrau. Spica erscheint in ihrer südlichen Position sehr einsam, da außer Arktur im Norden und Regulus im Westen keine hellen Sterne zu finden sind. Die unmittelbare Nachbarfigur Richtung Zenit ist Haar der Berenike, benannt nach der Haarpracht der gleichnamigen ägyptischen Königin. Die Objekte dieser Gegend leuchten maximal mit der 4. Größenklasse und lassen sich nur in einer klaren mondlosen Nacht beobachten. 

 

Mit einer Helligkeit von einer Größenklasse rechnet man Spica zu den 15 hellsten Sternen des Himmels. Sie ist 270 Lichtjahre von uns entfernt, hat den siebenfachen Sonnendurchmesser und ihre Leuchtkraft ist 2.000-mal größer als die der Sonne. Spica gehört zu den Doppelsternen. Da sich die Komponenten gegenseitig bedecken, zählt sie zur Gruppe der Bedeckungsveränderlichen. Allerdings sind die Helligkeitsschwankungen so schwach, dass sie mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind.

 

Das Sternbild Jungfrau ist bereits seit der Antike bekannt und interpretiert in eindeutiger Weise die aktuelle Jahreszeit. Sicherlich braucht man viel Fantasie, um in dem Sternbild die Gestalt eines liegenden Mädchens zu erkennen. Die Babylonier sahen bereits vor 4.000 Jahren die Kornähre in ihr, die den langen Winter unter der Erde verbringt und im Frühjahr sprießt. Spica trägt die lateinische Bezeichnung für Kornähre. Sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern wurde das Sternbild mit Fruchtbarkeit assoziiert.

 

Die Figur ist nach der Wasserschlange die zweitgrößte des gesamten Himmels. Sie gehört zu den Tierkreissternbildern, durch die Sonne, Mond und Planeten ihre Bahnen ziehen. So wird der zunehmende Mond vom 23. bis 27. Mai seine Position im Sternbild Jungfrau beziehen. Die Sonne passiert jährlich vom 16. September bis 31. Oktober diesen Abschnitt des Tierkreises. Dabei durchläuft sie um den 23. September den Herbstpunkt, wenn sie den Himmelsäquator in südlicher Richtung überschreitet.

 

Eine Besonderheit des Frühlingssternbildes ist der Virgo-Haufen, der sich im nördlichen Bereich befindet. So wie Sterne in einer Galaxie durch ihre gegenseitige Anziehungskraft zusammengehalten werden, sind Galaxien in Haufen und diese in noch größeren Superhaufen versammelt. In den inneren Bereichen eines Haufens kommt es oft zu Wechselwirkungen und Zusammenstößen.

 

Beim Virgo-Haufen handelt es sich um einen riesigen Galaxienhaufen, mit mehr als 2.000 Mitgliedern. Die Galaxien befinden sich in der großen Entfernung von rund 65 Millionen Lichtjahren. Dennoch können die hellsten mit einem Fernglas in den Randgebieten der Jungfrau zum Löwen hin entdeckt werden.

 

In dieser Richtung, jedoch nur halb so weit entfernt, liegt die berühmte und wunderschöne Sombrero-Galaxie, die Charles Messier 1781 als nebelhaftes Objekt mit der Nummer M 104 seinem Katalog hinzufügte. Mit einer Helligkeit von acht Größenklassen zählt sie zu den hellsten am Nachthimmel und kann schon in kleinen Teleskopen gesehen werden. Neuesten Erkenntnissen zufolge ist sie dreimal so groß wie die Milchstraße. Ihren Namen verdankt sie dem stark ausgeprägten Staubband, das sie umspannt und dadurch im Aussehen an einen mexikanischen Sombrero erinnert.

 

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 22.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MESZ