Der Sternhimmel im Januar 2019

 

Es sind die Morgenstunden des 21. Januar 2019, in denen interessierte Beobachter, möglicherweise bei Eiseskälte, eine totale Mondfinsternis erleben können. Die Finsternis hat einen besonderen Reiz, da es für lange Zeit kein derartiges Ereignis mit solch günstigen Rahmenbedingungen mehr gibt. Erst am 31. Dezember 2028 wird wieder eine vollständig beobachtbare totale Phase an ordentlich dunklem Himmel in geeigneter Höhe stattfinden.

Die Totalität der Finsternis am 21.1.2019 beträgt eine reichliche Stunde und wird von einer partiellen Phase davor und danach flankiert. Bereits beim Weg des Mondes durch den Halbschatten der Erde kann ab 3.36 Uhr allmählich ein grauer Schleier auf der Mondscheibe entdeckt werden. Ab 4.33 Uhr tritt der Mond in den Kernschatten der Erde ein. Jetzt wird er von der linken Seite her deutlich abgedunkelt. Mit dem Beginn der Totalität ab 5.41 Uhr ist der orange bis rot leuchtende Mond der attraktivste Teil der Finsternis. Zur Mitte der Totalität, gegen 6.12 Uhr, herrscht noch absolute Dunkelheit und er befindet sich mit einer Höhe von 16° über dem Westhorizont in ausreichender Höhe. Sein rotes Leuchten während der Totalität ist Resultat der Lichtstreuung in der Atmosphäre. Dabei wird der langwellige rote Anteil des Sonnenlichtes direkt in den Schattenkegel der Erde gelenkt.

Die zweite Hälfte der totalen Phase fällt in die astronomische Dämmerung, bei der die Sonne aber immer noch bis zu 12° unter dem Horizont steht und die Mondbeobachtung nicht merklich stört. Ab 6.43 Uhr wird der Mond den Kernschatten allmählich verlassen, was dann schon spürbar vom Dämmerungslicht begleitet wird. Die partielle Phase endet 7.50 Uhr, wenige Minuten vor dem Sonnenaufgang.

Die Beobachtung dieses Naturschauspieles ist bei geeigneter Witterung und freier Sicht zum Mond ohne optische Hilfsmittel möglich. Die Nutzung von Fernglas oder Teleskop ist dennoch sinnvoll, um den roten Mond noch eindrucksvoller zu erleben. Um das Himmelsspektakel in voller Pracht zu genießen, sollte man künstliche Lichtquellen meiden. Da der Mond nicht besonders hoch steht, sind reizvolle Aufnahmen des rötlichen Scheibchens über der Horizontsilhouette möglich. Auch die zweite partielle Phase bietet dafür günstige Gelegenheiten.

Wenn wir heute ein solches Naturereignis bestaunen und uns daran erfreuen, dann gilt es zu bedenken, dass derartige Schattenspiele in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt haben. Obwohl man schon lange vor der Zeitrechnung Mondfinsternisse annähernd vorhersagen konnte, verbreitete das Auftreten der Phänomene meist Angst und Schrecken. Forscher und Gelehrte der Antike nutzten solche Ereignisse, um unsere kosmische Welt zu erkennen. So formulierte der griechische Gelehrte Aristarchus von Samos, der im 3. Jahrhundert v.Chr. wirkte, erstaunliche Aussagen aus Beobachtungen und Berechnungen von Mondfinsternissen. Für ihn stand fest, dass die Erde kugelförmig sein müsse, da das Schattenbild der Erde bei Mondfinsternissen, stets kreisförmig ist. Aristarchus ermittelte die Größe des Erdschattens in der Mondentfernung zu zwei Monddurchmessern und ermittelte daraus die Distanz Erde Mond zu 72 Erdradien. Des Weiteren berechnete er, dass der Mond dreimal kleiner sein müsse als die Erde. Der Grieche war damit einer der ersten, der mit den Augen der Wissenschaft die Welt sah und Gesetze der Geometrie nutzte, um Distanzbestimmungen im Sonnensystem vorzunehmen. Auch wenn seine ermittelten Werte fehlerhaft sind, ist der Scharfsinn seiner Gedankenmodelle bewundernswert.

 

Sternhimmel Januar 2019

 

Die Karte zeigt den Sternhimmel Mitte des Monats gegen 19.00 Uhr.

Alle Zeitangaben in MEZ

 

Jochen Engelmann