Der Sternhimmel im September 2026

Im September wächst zum einen die Länge der astronomisch dunklen Nacht auf über acht Stunden, zum anderen sind Himmelsbeobachtungen bei angenehmen Temperaturen möglich. Zu Nachtbeginn spannt sich die Milchstraße in hohem Bogen über das Firmament. Bei Beobachtungen weitab von störendem Fremd- und Mondlicht ist das schimmernde Band in idealer Weise beobachtbar.

Die Sterne des Sommerdreiecks markieren deren Verlauf und stehen in den Abendstunden hoch in südlicher Richtung. Mit dem Herbstbeginn, der am 23.September um 02.05 Uhr erfolgt, ändert sich der Sternhimmel allmählich. 

Das Herbstviereck verdrängt langsam die Sommerfiguren vom Abendhimmel. Mit dieser quadratähnlichen Figur wird das Sternbild des Pegasus umschrieben. Das geflügelte Pferd der griechischen Antike nimmt seinen Platz mit dem Rücken nach unten gekehrt ein. Am Herbsthimmel fällt das mächtige Viereck aus Sternen zwischen zweiter und dritter Größenklasse hoch im Osten sofort auf. Doch Herbstviereck und Pegasus sind nicht völlig identisch. Einmal gehört der nordöstliche Eckstern des Vierecks, Sirrah, zum Sternbild Andromeda und zum anderen zählen noch zahlreiche Sterne weit westlich vom Herbstviereck zum mächtigen Pegasus. 

In dieser unauffälligeren Region liegt Enif, der mit einer scheinbaren Helligkeit von 2,4 mag hellster Stern der Figur ist. Während das mächtige Quadrat die Flügelpartie des Fabelwesens markiert, soll Enif dessen Nase darstellen, die gelegentlich schnaubt. So könnte man sich bildlich die Helligkeitsausbrüche vorstellen, die schon mehrfach beobachtet wurden. Er ist ein orangefarbener Überriese in 670 Lichtjahren Entfernung, auf dessen Oberfläche gelegentlich starke Explosionen stattfinden. Das könnte ein Anzeichen seiner bevorstehenden Detonation sein. Als massereicher Riesenstern hat Enif wohl aber dennoch ein paar Millionen Jahre vor sich, bevor er entweder als Supernova explodiert oder aber seine Hülle allmählich abstößt und als Weißer Zwergstern endet.

Ein wenig nordwestlich von Enif, stößt man auf den kugelförmigen Sternhaufen M 15. Dieses wahre Prachtexemplar in der Gruppe der Kugelsternhaufen wurde 1746 entdeckt und zunächst als nebelhafter Stern beschrieben. Erst 1783 gelang es Wilhelm Herschel dessen wahre Natur zu entdecken. Im Fernglas zeigt sich dem Beobachter nur ein kleiner unscharfer Lichtklecks. Erst bei Gebrauch von größeren Teleskopen wirkt die Zentralregion, wo sich unzählige Sterne dicht zusammendrängen, besonders brillant. Obwohl man die Sterne hier nicht trennen kann, liegen sie mindestens ein Lichtjahr auseinander. Bis zu 100.000 Sterne zählen zu einem solchen Sternhaufen. Sein Durchmesser beträgt ungefähr 200 Lichtjahre, wobei mehr als die Hälfte seiner Sterne in dem etwa 10 Lichtjahre großen Zentrum sind. Dieser Bereich ist eine der dichtesten Sternkonzentrationen, die wir kennen. Mit dem Weltraumteleskop Hubble wurden die zunehmenden Geschwindigkeiten der Zentralsterne vermessen. Sie gelten als Hinweis auf das Vorhandensein eines massereichen Schwarzen Lochs in dem dichten Haufen. M 15 ist ein Rest aus der frühen Entstehungszeit unserer Galaxis und dürfte 13 Milliarden Jahre alt sein. Es ist einer von etwa 170 Kugelsternhaufen, die noch durch den Halo der Milchstraße wandern.

Nur geringfügig schwächer wie Enif leuchten die beiden rechten Ecksterne des Sternenvierecks Scheat und Markab. Die Verbindungslinie zwischen den beiden Sternen eignet sich gut als Orientierungshilfe zum Auffinden der Nordrichtung. Verlängert man die Abstandstrecke zwischen den beiden Sternen über Scheat nach oben hinaus, so trifft man in sechsfachem Abstand auf den Polarstern. Etwa auf halber Strecke befindet sich der mit bloßem Auge gerade noch erkennbare Stern 51 Pegasi, der nach neuester Nomenklatur Helvetios heißt. 1995 sorgte die Entdeckung für großes Aufsehen, da um diesen sonnenähnlichen Stern ein Planet kreist. Der erste Exoplanet war gefunden. Er umläuft sein Zentralgestirn in 20-mal geringerer Entfernung als die Erde um die Sonne und taumelt in nur vier Tagen um den Stern. Vermutlich handelt es sich um einen Gasplaneten mit halber Jupitermasse. In den folgenden Jahrzehnten fanden Himmelsforscher immer mehr Exoplaneten, so dass bis heute mehr als 7000 Planeten bekannt sind, die um ferne Sterne kreisen.

 

 

   

 

 

 

Anblick des Sternhimmels zur Monatsmitte gegen 21.00 Uhr MESZ

 

Jochen Engelmann