Geschichte der Sternwarte Rodewisch

Wie alles begann...

Die ersten Jahre

Die Beobachtung von Sputnik 1

Der Bau der neuen Schulsternwarte

Die Entstehung des Planetariums

Die Jagd nach den Kometen

Die schwarze Sonne

Der Astronomieunterricht

Tourismusmagnet in der "Klingenden Ferienregion Vogtland" Die 90er Jahre





Wie alles begann...

Die spontane Idee des Neulehrers Edgar Penzel, auf dem Turm der Pestalozzischule mit Schülern und Einwohnern der Stadt durch ein Fernrohr den Sternhimmel und seine faszinierenden Objekte zu beobachten, stand im Jahre 1950 am Anfang der Geschichte der Schulsternwarte Rodewisch.

Bei den Verantwortlichen des damaligen Kreises Auerbach und den Stadtvätern von Rodewisch fanden diese Vorstellungen schnell Zustimmung. Suchte man doch in den Jahren nach dem schrecklichen 2. Weltkrieg neue Möglichkeiten für die schulische Bildung und die Freizeitgestaltung der Bürger.

Die Beschaffung eines Fernrohres und einer Kuppel für den 26 m hohen Schulturm waren die ersten großen Probleme. Professor Wattenberg von der Berliner Archenhold-Sternwarte konnte helfen. Durch seine Vermittlung wurden von einer Privatsternwarte in Pulsnitz ein 100 mm Refraktor, eine Säule mit Achsensystem und elektrischem Antrieb gekauft.

Schwierigkeiten bereitete auch die Errichtung der Kuppelmauer auf dem Turm. Alle Materialien mußten entweder hoch getragen oder mit einem Seil über eine Rolle hinauf gezogen werden. Eltern, Lehrer und Schüler beteiligten sich in den Sommerferien 1950 an dieser Arbeit.

Eine 4 m Kuppel war bei der Baufirma des Ingenieurs Alexander Franz in Dresden bestellt worden. Der begeisterte Amateurastronom montierte und erprobte das Schutzdach für das Fernrohr selbst vor Ort.

Am 23. September 1950 fand die feierliche Einweihung der Rodewischer Schulsternwarte statt. Hunderte Besucher nahmen an den anschließenden Besichtigungen teil. Eine totale Mondfinsternis drei Tage später war das erste große astronomische Ereignis, das von der neu entstandenen Sternwarte aus beobachtet werden konnte

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Die ersten Jahre

Die Arbeit mit Schülern der Pestalozzischule und Beobachtungen für interessierte Bürger prägten in den ersten Jahren das Geschehen an der Sternwarte. Die Lehrer Edgar Penzel, Günther Etzold und Rudi Reuter gründeten astronomische Arbeitsgemeinschaften und führten regelmäßig öffentliche Beobachtungsabende durch.

1953 erhielt die Rodewischer Sternwarte einen 305 mm Cassegrain-Reflektor, das zur damaligen Zeit größte Fernrohr an einer Schulsternwarte in Deutschland. Den Tubus, das Achsensystem und die Säule des Spiegelfernrohres baute der Dresdner Alexander Franz. Er verwendete dazu Teile der am Ende des 2. Weltkrieges durch Bomben zerstörte Straßenbahn seiner Heimatstadt. Den 305 mm Objektivspiegel schliff die Firma Wilke in Berlin.

Etwas Neues zu entdecken, einen Kometen oder einen kleinen Planeten, war von Anbeginn der größte Wunsch der jungen Astronomen von Rodewisch. Sie begannen mit einer Plattenkamera für Sternaufnahmen, einem Astrographen, eine systematische Himmelsüberwachung. Im Verlaufe der Jahrzehnte entstanden mehrere tausend Aufnahmen. Ihr Wunsch - etwas zu entdecken -  erfüllte sich jedoch nicht.  Dafür gelang es ihnen aber, eine sehr helle Feuerkugel und den Kometen Arend-Roland auf seiner Bahn über den Himmel zu fotografieren.

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Die Beobachtung von Sputnik 1

 Das Maximum der Sonnenaktivität in den Jahren 1957 und 1958 veranlaßte die Wissenschaft, den Zeitraum zum Internationalen Geophysikalischen Jahr zu erklären. Ziel des Unternehmens war die intensive Erforschung der Wechselwirkungen zwischen dem Geschehen auf der Sonne und der Erdatmosphäre.

Zuvor beteiligten sich die Rodewischer Hobbyastronomen mit einer Zeltstation am Internationalen Geophysikalischen Jahr. Auf dem Taubenberg, 2 km südlich von Rodewisch, beobachteten sie im Sommer 1957 Polarlichter und leuchtende Nachtwolken.

Zur Untersuchung der hohen atmosphärischen Schichten war der Start von künstlichen Erdsatelliten vorgesehen. Der erste, Sputnik 1, beeinflußte in entscheidender Weise die Weiterentwicklung der Rodewischer Schulsternwarte.

Am  4. Oktober 1957 startete Sputnik 1 vom sowjetischen Kosmodrom Baikonur in der Kasachischen Steppe. Die ganze Welt erfuhr durch die Medien von diesem historischen Ereignis. Im Turmzimmer der Pestalozzischule bastelten der Lehrer Edgar Penzel und die Schüler Dieter Maeding, Diethard Ruhnow und Peter Weiß noch am gleichen Tag mit einem Globus und einem Drahtring ein Modell der Bahn von Sputnik 1 um die Erde. Daran ließ sich ablesen, dass Sputnik 1 in den Morgenstunden am Himmel über Rodewisch zu sehen sein müsse.

Nach Tagen mit schlechtem Wetter klarte es in den frühen Morgenstunden des 8. Oktober auf. Pünktlich, wie selbst vorausgesagt, zog um 4.55 Uhr (MEZ) mit bloßem Auge gut sichtbar die Trägerrakete von Sputnik 1 über den Nordhimmel. Diethard Ruhnow, der das Objekt entdeckte, hielt es anfangs für ein Flugzeug. Aufgrund des Bahnverlaufes, der langen Hell- und Dunkelphasen, des schnellen und geräuschlosen Dahinziehens des Lichtpunktes, konnte es sich aber nur um den gesuchten Raumflugkörper handeln. Fassungslos schauten die Beobachter nach Osten, wo das Objekt den Blicken entschwunden war. Erst nach Minuten löste sich die Spannung. Gemeinsam wurde eine Meldung formuliert und dem Nachrichtendienst übermittelt. Bereits eine Stunde später brachte der Rundfunk die Mitteilung, dass in Rodewisch der erste Raumflugkörper gesehen worden war.

Zu den Gästen nach der erfolgreichen Beobachtung gehörte der Fachastronom Dr. Güntzel-Lingner. Er wohnte mit seiner Familie in Rodewisch und arbeitete zu der Zeit am Astrophysikalischen Institut in Potsdam. Die Mitarbeiter der Schulsternwarte folgten seinem Rat und sandten die Ergebnisse der Beobachtungen an den Astronomischen Rat der Sowjetunion. Als Antwort erhielten sie am 31. Oktober 1957 ein Telegramm aus Moskau mit Beobachtungsvorhersagen für Sputnik 1 und seiner Trägerrakete. Seit diesem Zeitpunkt gehörte die Rodewischer Schulsternwarte zum Internationalen Beobachtungsnetz, das die gesamte Erde umspannte.

Bis in die 80er Jahre währte die gemeinsame Tätigkeit von Lehrern und Schülern bei der Satellitenbahnvermessung. 100 000 Messungen wurden durchgeführt. Dann übernahmen große Radarsysteme und Geräte an Bord die Positionsbestimmungen.

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Der Bau der neuen Schulsternwarte

Im Schuljahr 1959/60 wurde an den allgemeinbildenden Schulen der ehemaligen DDR das Fach Astronomie für die Schüler der Jahrgangsstufe 10 eingeführt. Ein Wunsch vieler Fach- und Amateurastronomen, Lehrer und Schüler erfüllte sich damit.

Durch den Unterricht konnte der Schuljugend das Wissen über das Sonnensystem und den kosmischen Raum vermittelt werden, das in der ersten Hälfte des 20. Jh. sprunghaft zugenommen hatte. Durch Beobachtungen mit Großteleskopen in den USA hatten sich die Grenzen des überschaubaren Raumes extrem erweitert. Sputnik 1 und die ersten Raumsonden eröffneten neue Wege zur Erforschung des Weltalls. Der bemannte Raumflug war nicht mehr nur eine Utopie.

Für den Unterricht benötigte man ausgebildete Lehrer und Möglichkeiten zur Beobachtung mit den Schülern. Die Studienplätze an den Universitäten reichten nicht aus. Schul- und Volkssternwarten wie die Sternwarte in Rodewisch sprangen ein und halfen. Amateurastronomen vermittelten ihr Wissen und demonstrierten den Umgang mit Fernrohren. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaften halfen bei den Schülerbeobachtungen.

In Rodewisch kamen die Aufgaben zur Vermessung der Erdsatelliten hinzu. Mehrere sowjetische und die ersten amerikanischen Satelliten waren inzwischen gestartet worden und damit der Zeitumfang für die Beobachtungen und die Auswertungen angewachsen. Die Messergebnisse mußten aufbereitet und an den Astronomischen Rat der Akademie der Wissenschaften der UdSSR und das Rechenzentrum der amerikanischen Weltraumbehörde NASA übermittelt werden. Die Räumlichkeiten im Turm der Pestalozzischule reichten dazu nicht mehr aus.

Der große Traum der Mitarbeiter und Schüler der Rodewischer Schulsternwarte war ein eigenes Gebäude mit freier Sicht zum Sternhimmel, mit Unterrichts- und Arbeitsräumen. Er ging in Erfüllung. Vor Baubeginn, am 1. Juni 1965, besuchte der erste Sekretär der Staatspartei der SED, Walter Ulbricht, die Pestalozzischule und ihre Sternwarte. Sein Einfluß bewirkte, dass für die Architektur der neuen Einrichtung ein Ideen-Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Ein Plauener Kollektiv unter Leitung von Udo Müller gewann den 1. Preis. Gerhard Bochmann projektierte das Gebäude. Beide sind Bürger von Rodewisch. Am 3. September 1967 wurde die neue Schulsternwarte auf einer Anhöhe am südöstlichen Rand der Stadt eingeweiht.

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Die Entstehung des Planetariums

Am Tage Vorträge für Besucher, Astronomieunterricht, Arbeitsgemeinschaften, Veranstaltungen zu Lehrerfortbildungen,   Auswertungen der Beobachtungen  und nachts Bahnvermessungen der Satelliten, Sternbeobachtungen mit Schülern und Touristen, das waren die Arbeitsinhalte an der Sternwarte in den 60er und 70er Jahren.

Bei den Flügen bemannter Raumstationen erfaßte die Rodewischer Satellitenbeobachter immer ein besonderes Fieber. Aus der Lage der Bahn ließen sich die Beobachtungsmöglichkeiten abschätzen. Spielte das Wetter mit, wurden die Überflüge zu gesellschaftlichen Ereignissen.

Beim Flug des ersten Deutschen in das Weltall herrschte große Aufregung. Hunderte Menschen waren trotz Regens gekommen. Erst wenige Minuten vor dem Überflug weitete sich eine Wolkenlücke am NW-Himmel. Durch sie zog der Orbitalkomplex Sojus 29 - Salut 6 - Sojus 31 in beeindruckender Helligkeit seine Bahn. An Bord der erste deutsche Raumfahrer, Sigmund Jähn, der Vogtländer aus Morgenröthe-Rautenkranz. Ein Jahr später erhielt die Sternwarte auf die Bitte ihrer Mitarbeiter seinen Namen.

Zur Vorbereitung des 25. Startjubiläums von Sputnik 1 fand 1982 in der Schulsternwarte eine Beratung statt. Eigentlich sollten nur die Veranstaltungen für das Jubiläum besprochen werden. Am Ende entwickelte sich aber noch eine Diskussion über die Perspektiven der Sternwarte. Sie führte zu dem Beschluss, ein Konzept für den Bau eines Planetariums zu erarbeiten.

Obwohl die Gelder knapp waren, stimmten die staatlichen Stellen dem zu. Zum Jahrestag von Sputnik 1 wurde der Grundstein gelegt. Der Bau begann im Folgejahr. Architektonische Gestaltung und Projektierung lagen in den gleichen Händen wie beim Bau der Sternwarte. Dadurch entstanden Gebäude mit gut aufeinander abgestimmten Funktionen und einem harmonischen Anblick. Die Einweihung erfolgte am 14. April 1985. Bereits im ersten Jahr wurde das Planetarium zu einem Besuchermagnet und hatte über 10 000 Gäste.

In diese Zeit fällt auch ein Generationswechsel an der Schulsternwarte. Ihr Gründer , Prof. Edgar Penzel, beendete seine berufliche Tätigkeit und ging in den Ruhestand. Wenige Jahre später folgte ihm der langjährige Mitarbeiter Friedemann Berth. In die Funktion des Leiters wurde der Lehrer Diethard Ruhnow berufen, der seit 1954 erst als Schüler dann als ehrenamtlicher Mitarbeiter an der Einrichtung tätig war.  

 

 

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Die Jagd nach den Kometen

Für das bloße Auge gehören die Kometen zu den beeindruckendsten Erscheinungen am Sternhimmel. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf, ziehen ihre Bahn für Tage oder Wochen über den Himmel, entfalten einen Schweif und entziehen sich dann wieder den Blicken der Beobachter. Bis in die Zeit des Mittelalters waren die Boten vom Rande des Sonnensystems von Mystik und Aberglaube umgeben.

Der Engländer Edmund Halley erkannte, dass sie nicht zur Erde, sondern zu den Körpern des Planetensystems gehören. Er beobachtete im Jahre 1682 einen sehr hellen Kometen, dessen Erscheinen er in alten Aufzeichnungen über Jahrhunderte zurückverfolgen konnte. Nach der Ermittlung der Umlaufzeit errechnete er die Wiederkehr für das Jahr 1758 voraus. Der Dresdner Bauernastronom Johann Georg Palitzsch fand den nach Halley benannten Schweifstern tatsächlich in diesem Jahr wieder, noch vor den Fachwissenschaftlern.

Die Kometen sind bis in die heutige Zeit Lieblingsobjekte der Amateurastronomen geblieben. Bei ihrer Suche können sie den Wissenschaftlern, die ihre Teleskope meist auf weit entfernte Objekte richten und mit der modernen Rechentechnik die Beobachtungsergebnisse bearbeiten, erfolgreich helfen, zumal die Tradition seit Edmund Halley beibehalten wurde, den Kometen die Namen ihrer Entdecker zu geben.

Für die Rodewischer wurden sie auch zu bevorzugten Objekten. Nachdem sie ihre fotografische Ausrüstung um einen weiteren leistungsfähigen Astrographen erweitert hatten, tauchen im Jahre 1957 gleich zwei Kometen auf, die sogar ohne Fernrohr sichtbaren waren. Der Komet Arend-Roland zog in den April- und Maitagen seine Bahn über den Himmel, ihm folgte im August der Komet Mrkos (1957 d). Bei Arend-Roland waren die Wetterbedingungen so günstig, dass über viele Tage regelmässig Aufnahmen gemacht werden konnten.

Die Belichtungszeiten reichten von wenigen Minuten bis zu zwei Stunden. Charakteristisch für ihn war der Gegenschweif. Das optische Phänomen ergibt sich bei einer besonderen Lage des Schweifes zum Beobachter auf der Erde. Die letzte Aufnahme entstand bei einer Mondfinsternis im Mai. Während der Totalität war der Himmel so dunkel, dass der Komet mit seinem mehrere Grad langen Schweif gut abgebildet werden konnte. Den Schweif des Kometen Mrkos kennzeichneten ausgeprägte Strahlen und eine Abknickung, die durch einen sprunghaften Anstieg der Sonnenaktivität erzeugt worden war.

Keiner der helleren Kometen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jh. auf der nördlichen Halbkugel der Erde zu sehen waren, entging den Rodewischer Kometenjägern. Bei  Ikeya-Seki erlebten sie eine ungewöhnliche Irritation.  Am ersten Tag, an dem die Beobachtungsbedingungen günstig waren, konnten sie den Komet nicht sehen. Sie schoben es auf eine Lampe, die durch einen Lichtstrahl den Himmel aufhellte. Die Lampe wurde fotografiert, um ihren störenden Einfluss zu beseitigen. Als sich bei der Überprüfung der Position der abgebildeten Sterne, herausstellte, dass genau der Ort des Kometen aufgenommen worden war, entpuppte sich der Lichtstrahl als heller  Schweif des Kometen.

Der als Jahrtausendkomet angekündigte Komet Kohoutek im Jahre 1973 und die Wiederkehr des Halleyschen Kometen 1986 enttäuschten die Beobachter. Sie waren ohne Fernrohr nicht zu sehen. Um so größer war dann das Interesse an den beiden sehr hellen Kometen Hyakutake und Hale-Bopp in den Jahren 1996 und 1997. Hyakutake zog in nur 15 Mio. Kilometer an der Erde vorüber. In einer Vollmondnacht stand er zwischen dem Großen und dem Kleinen Wagen. Sein diffuser Kopf und ein 30° langer Schweif hoben sich trotz des Mondlichtes deutlich vom Himmelshintergrund ab. Hale-Bopp näherte sich der Erde bis auf 200 Mio. Kilometer. Seine Helligkeit ergab sich aus einem ungewöhnlich großen Durchmesser. Über drei Monate dauerte die Sichtbarkeit. In den ersten Apriltagen 1997 befand er sich in Erdnähe. Tausende Besucher kamen zu seiner Beobachtung an die Schulsternwarte. Vor der Beobachtungskuppel bildeten sich lange Schlangen. Ebenso grosses Interesse fanden die Vorführungen im Planetarium, in denen die aktuellsten Aufnahmen des Kometen gezeigt wurde.

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Die schwarze  Sonne

Es gehört zu den beeindruckendsten Erlebnissen in der Natur,wenn die helle Sonnenscheibe durch den dunklen Mond bedeckt wird und ein bizarrer Lichtkranz um das Tagesgestirn aufleuchtet. Totale Sonnenfinsternisse sind äußerst selten. In der fünfzigjährigen Geschichte konnten die Lehrer und Schüler der Rodewischer Schulsternwarte zwei derartige Ereignisse miterleben. Jedesmal mussten sie aber reisen.

Im Februar 1961 war das Ziel der kleine Ort Bol auf der Insel Brac in der Adria, wenige Kilometer vor der Küste Kroatiens. Der Leiter der Schulsternwarte, Edgar Penzel, und Diethard Ruhnow, einer der ehrenamtlichen Mitarbeiter, nahmen an der  Expedition teil, die von Jenaer und Berliner Sternfreunden organisiert worden war.

Tief blau zeigte sich der Himmel über der Adria, als in den frühen Vormittagsstunden des 15. Februar das Naturschauspiel begann. Ungestört konnte der gesamte Ablauf der Finsternis beobachtet werden. Mit Optiken von 180 mm bis 1500 mm Brennweite wurden alle Phasen dokumentiert. Eine 16 mm Schmalfilmkamera zeichnete den Verlauf der Totalität auf. Mit ihr gelang es auch erstmalig die fliegenden Schatten am Ende der Totalität im Bilde festzuhalten.

Die totale Sonnenfinsternis am 11. August 1999 war ein wirkliches Jahrhundertereignis. Obwohl die Totalitätszone über Süddeutschland hinweg verlief, fuhren die Rodewischer an den Balaton nach Ungarn. Die Wetterprognosen waren für dieses Gebiet bedeutend günstiger als für den deutschen Finsternisraum. Zu den 30 Teilnehmern der Expedition gehörten 15 Schüler, Lehrer, Amateurastronomen und Journalisten, die über den Verlauf der Expedition täglich berichteten.

Von den Wolken wurde diesmal die Dramaturgie der Finsternisbeobachtungen gestaltet. In den Morgenstunden zog ein Gewitter über den Balaton. Zu Beginn der Verfinsterung strahlte die Sonne an einem blauen Himmel. Mit steigendem Bedeckungsgrad kamen immer mehr Wolken. 10 Sekunden nach Eintritt der Totalität bedeckten sie die schwarze Sonne und ihre Korona. Bis 20 Sekunden vor dem Ende der Totalität verharrten die Beobachter in ängstlicher Erwartung. Dann erschien die Korona wieder. Über den dunklen Mondrand hinaus ragten rötlich leuchtende Protuberanzen in den Strahlenkranz der Sonne. Alle Erscheinungen konnten trotz der Anspannungen aufgenommen werden, ausgenommen die fliegenden Schatten, die nach dem Ende der Totalität nur kurz zu sehen waren.

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Der Astronomieunterricht

Die astronomische Bildung der Schuljugend ist ein Grundanliegen der Schulsternwarte. Ihr haben sich die Mitarbeiter stets in besonderem Maße gewidmet. Anfänglich waren es die Arbeitsgemeinschaften, in denen Schüler astronomisches Grundwissen und die Durchführung von Beobachtungen am Sternhimmel vermittelt wurden.

Heute gibt es an der Rodewischer Schulsternwarte den Astronomieunterricht in der Jahrgangsstufe 10, den Wahlgrundkurs Astronomie für die Sekundarstufe II, einen fachübergreifenden Wahlgrundkurs "Fernerkundung der Erde durch Satelliten" , Arbeitsgemeinschaften sowie altersgerechte Vorführungen für alle Jahrgangsstufen im Planetarium.

Trotz der räumlichen Trennung durch den Bau der neuen Gebäude am Rande der Stadt gehört die Schulsternwarte zum Rodewischer Johann-Heinrich-Pestalozzi-Gymnasium. Ihre Schüler der 10. Klassen haben für ein Schuljahr Astronomieunterricht in der Sternwarte. Besonders beliebt sind die Stunden im Planetarium. Durch die naturnahe Darstellung des Sternhimmels, verbunden mit Musik und moderner Videotechnik lassen sich die Anordnung und die Bewegungen der Himmelskörper, die Strukturen des Weltalls und neueste Ergebnisse der Wissenschaft anschaulich darstellen.

Ähnliches gilt auch für die altersgerechten Schulvorführungen, die von Klassen der Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien des Vogtland und ganz Sachsen besucht werden. Die Themen reichen von den "Geschichten am Sternhimmel" bis zur Entstehung und Entwicklung der Sterne und der Sternsysteme. Seit dem Jahr 1992 gibt es für die Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 die Möglichkeit, an einem Grundkurs Astronomie teilzunehmen. In vertiefender Weise werden in diesem Unterricht theoretische Kenntnisse vermittelt und umfangreichere Beobachtungen durchgeführt.

Für den fachübergreifenden Wahlgrundkurs zur Fernerkundung stehen Satellitenaufnahmen aus 270 km und 700 km Höhe sowie eine amerikanische Software zur Bildbearbeitung zur Verfügung. Die Bilder zeigen das gesamte Vogtland. Die Schüler lernen den Umgang mit einem wissenschaftlichen PC-Programm und die Gewinnung von Informationen an einem praktischen Beispiel kennen.

In den Arbeitsgemeinschaften für die Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 herrscht heute wie vor fünf Jahrzehnten höchste Aufgeregtheit, aber auch große Wissbegierde. Beim Basteln, Beobachten und Wissenserwerb sind sie selbst aktiv. Die älteren Schüler nutzen die AGs zur Vorbereitung auf den Astronomieunterricht und zur Freizeitgestaltung.

 (33324 Byte)Eingeschlossen in die pädagogische Arbeit sind die Veranstaltungen zur Lehrerfortbildung. In der Differenzierung entsprechen sie den Schulformen sowie den Bildungsinhalten der Lehrpläne. Träger dieser Veranstaltungen sind das Regionalschulamt Zwickau und die Sächsische Akademie für Lehrerfortbildung.

 

 

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Tourismusmagnet in der "Klingenden Ferienregion Vogtland"

Von Anfang an gehörten öffentliche Beobachtungen, Vorträge in und außerhalb der Sternwarte für die Bevölkerung des Vogtlandes und darüber hinaus zu den wichtigsten Aufgaben der Einrichtung. Nach der Erstbeobachtung von Sputnik 1 und insbesondere nach der Inbetriebnahme des Zeiss-Planetariums wurde sie zu einem touristischen Zentrum. Heute ist sie ein bedeutendes Glied in der Kette der Kulturstätten des Vogtlandes, das mit dem Motto "Die klingende Ferienregion" um die Gunst der Touristen wirbt.

In der Regel bietet das Planetarium seinen Gästen im Abstand von zwei Monaten neue Vorführungsthemen an. Ihr Inhalte stehen in Bezug zum jeweils sichtbaren Sternhimmel oder zu  besonderen Ereignissen in der Astronomie und der Raumfahrt. Die aktuelle Gestaltung der Vorführungen wird durch die Nutzung des Internets und der internationalen Datenbänke möglich. Interessante, oft sensationelle Bilder, die mit den großen Teleskopen auf der Erde, mit dem Hubble-Space-Teleskop oder von Raumsonden aufgenommen wurden, sind nach ihrer Veröffentlichung sofort auch im Rodewischer Planetarium zu sehen.

Die Veranstaltungen zu den astronomischen Höhepunkten der letzten Jahre haben alle vorherigen Besucherrekorde übertroffen. Als im April 1997 der Komet Hale-Bopp am abendlichen Himmel stand, kamen 5000 Gäste zu den Vorführungen ins Planetarium und zu den Beobachtungsabenden. Große Beachtung findet beim Publikum im Winterhalbjahr die Verbindung von Planetariumsvorführungen in den Abendstunden mit anschließenden Beobachtungen des Sternhimmels. Sternbilder, die gerade am künstlichen Himmel erklärt wurden, kann man selbst aufsuchen, auf Bildern dargestellte interessante Objekte mit Fernrohren beobachten.

Die Touristen kommen aus dem Vogtland, dem gesamten Freistaat Sachsen und allen angrenzenden Bundesländern. Schülergruppen verbinden ihren Aufenthalt   im Waldpark Grünheide, im Schullandheim Netzschkau oder Jugendherbergen der Region mit dem Besuch der Schulsternwarte und des Planetariums. Die ersten deutschen Raumfahrer, Sigmund Jähn und Ulf Merbold, sind von Geburt Vogtländer. Der Name der Schulsternwarte Rodewisch ist mit der Erstbeobachtung von Sputnik 1 und mit der Satelittenbeobachtung verbunden. Das Vogtland gilt deshalb als deutsche "Raumfahrtecke".  Den Spuren dieser Traditionen können die Touristen bei Besuchen der Deutschen Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz  und der Rodewischer Schulsternwarte folgen. Für Schülergruppen wird in Zusammenarbeit der  Einrichtungen eine Raumfahrtwoche gestaltet.

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Die 90er Jahre 

Die politische Wende zu Beginn des Jahrzehnts veränderte auch die Arbeit der Schulsternwarte und des Planetariums Rodewisch. Die Trägerschaft ging von der Abteilung Volksbildung des alten Kreises in die Schulverwaltung des neuen Kreises über. 1992 übernahm die Stadtverwaltung Rodewisch auf eigenen Wunsch die beiden Einrichtungen. Der Astronomieunterricht in der   Jahrgangsstufe 10  wurde um den Wahlgrundkurs Astronomie in der Sekundarstufe II, den Jahrgangstufen 11 und 12, erweitert. Hinzu kam auf Initiative der Mitarbeiter der Schulsternwarte der Kurs zur Fernerkundung der Erde. Das Planetarium gewann noch an Bedeutung. Durch die Intensivierung der Veranstaltungstätigkeit für den Tourismus und den Unterricht  war eine Erhöhung der finanziellen Einnahmen möglich. Dazu war es erforderlich die Werbung für den Besuch des Planetariums und der Schulsternwarte zu erweitern und die Gestaltung der Vorführungen den Wünschen des Publikums und den Inhalten der neuen Lehrpläne in den Schulen besser anzupassen.

Die Fördermittel des Kultusministeriums des Freistaates Sachsen, des Regierungspräsidiums Chemnitz sowie des Landkreises und des Kulturkonvents Vogtland wurden für den Zugang zu den modernen Informationsmedien genutzt. PC-Technik steht heute an jedem Arbeitsplatz. Die Computer in der Sternwarte und im Planetarium sind miteinander vernetzt. Das Internet wird für die Gewinnung von Text- und Bilddaten eingesetzt. Eine E-mail Adresse und eine Homepage stehen für die weltweite Kommunikation zur Verfügung. Für die Mitarbeiter und Schüler, die an der Einrichtung tätig sind, bedeutet dies ein ständiges Hinzulernen.

Die Beobachtungsinstrumente wurden mit den Geräten der modernen Informationstechnik verknüpft. Das eröffnete neue Möglichkeiten zur Abbildung von Planeten und ihren Oberflächen, von Deep-Sky-Objekten, den Objekten mit den größten Entfernungen im Weltall. Es ergab sich aber auch die Erkenntnis, dass die Fernrohre und ihre Steuerungen aus den 50er Jahren den technischen Anforderungen nicht mehr genügen.  Deshalb wünschen sich die Mitarbeiter und Schüler ein modernes Fernrohr mit digitalen Schnittstellen zur Steuerung, für den Anbau von CCD-Kameras und für spektrale Untersuchung der Sterne. Diese Fähigkeiten der Fernrohre sind erforderlich für ihren Einsatz bei Beobachtungen im Unterricht, öffentlichen, touristischen Veranstaltungen und für die Durchführung amateurastronomischer Arbeiten.

Die Amateurastronomen aus Westsachsen treffen sich seit  1992 in der Rodewischer Schulsternwarte. In ihren jährlichen Zusammenkünften geht es um die astronomischen Inhalte ihrer Freizeitbeschäftigung, um aktuelle Beobachtungsergebnisse, den Einsatz neuer Geräte aber auch um theoretische Probleme und die Arbeit mit der neuen PC-Technik.

Bei den Satelliten konzentrieren sich die Mitarbeiter der Schulsternwarte auf die Vorhersage und die Beobachtung der hellen bemannten Raumstationen. Für die Überflüge und die Arbeit  der Astronauten in der Internationalen Raumstation ISS und im amerikanischen Space Shuttle interessieren sich viele Bürger. Über die Presse und den Rundfunk werden die Zeiten und der Verlauf der Bahnen am Sternhimmel bekannt gemacht. Durch diese Tätigkeit entwickelten sich enge Verbindungen zu den Fachwissenschaftlern im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen. Sie halfen, daß an der Schulsternwarte Funkamateure Verbindung zu den Astronauten in der Orbitalstation Mir herstellen konnten. Beim Flug über Rodewisch meldeten sich die deutschen Raumfahrer Thomas Reiter  und Reinhold Ewald, ihre russischen Kommandanten  sowie der Amerikaner Gerry Linenger, der wenige Wochen zuvor die Schulsternwarte besucht hatte. Die Medien - auch das Fernsehenberichteten live darüber.

In die Reihe der unvergesslichen Erlebnisse der letzten Jahre ordnen sich auch die fotographischen Aufnahmen der Raumfähre Endeavour und ihres externen Tanks ein. Am 11. Februar 2000 startete der Shuttle vom Kennedy-Space-Center in Florida. 21 Minuten später wurden die beiden Raumflugkörper von Mitarbeitern und Besuchern der Sternwarte beobachtet und fotografiert. Die Aufnahmen zeigten, wie die Endeavour und ihr Tank aus einer Treibstoffwolke auftauchten und ihre Bahn über den Himmel zogen. Zum Bericht der Crew über die sehr erfolgreiche Mission waren auch Schüler und Mitarbeiter der Schulsternwarte Rodewisch nach Oberpfaffenhofen eingeladen worden. Sie berichteten den Astronauten, zu denen der Deutsche Gerhard Thiele gehörte, von ihren Beobachtungen und übergaben jedem eine Fotomontage der Bahnspuraufnahmen.

In den ersten Ferientagen der Sommerferien 2000 fanden in Rodewisch die XIV. Tage der Schulastronomie satt, zu der mehr als 60 Lehrerinnen und Lehrer sich bei interessanten Vorträgen rund um die Astronomie uns Raumfahrt sowie ihre Vermittlung über die neusten Ergebnisse von Forschung und Lehre informierten. In diesem Rahmen fand auch die Festveranstaltung zum 50jährigen Bestehen der Sternwarte statt, an der über 250 Gäste teilnahmen, unter Ihnen auch Sigmund Jähn.

Höhepunkt des Jahres 2001 war zweifellos die Feierstunde im April, bei der dem langjährigen Direktor der Sternwarte, Prof. Edgar Penzel, die Urkunde des nach ihm benannten Planetoiden "(19022) Penzel" überreicht wurde. Dieser Kleinplanet wurde von den Kollegen der Sternwarte Drehbach entdeckt und von ihnen wurde Prof. Penzel für diese Ehrung vorgeschlagen.

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