Der Sternhimmel im Mai

Bei einem Blick in die Zenitgegend des Himmels sieht man die sieben hellen Sterne des Großen Wagens, der auffälligsten und einprägsamsten Figur. Allerdings gilt diese Bezeichnung nur im Volksmund. Astronomisch spricht man vom Großen Bären und charakterisiert damit ein weitaus größeres Himmelsareal. In der bildlichen Darstellung markieren die Wagensterne das Hinterteil und den Schwanz des Bären. Nicht nur Griechen und Römer haben die Figur als Bären oder Bärin gesehen, sondern auch nordamerikanische Indianerstämme und Volkstämme Sibiriens. Es gibt Hinweise, dass sogar die Menschen in der letzten Eiszeit vor mehr als 15.000 Jahren einen Bären in der Figur sahen. Die nördlichen Gebiete der Erde galten schon immer als Reich der Bären und so verwundert es nicht, dass auch die nördliche Himmelsregion von dem mächtigen Tier geprägt ist. Meistens stehen die Sterne eines Sternbildes in unterschiedlichsten Entfernungen und bilden nur zufällig eine Gruppierung. Der Große Wagen bildet hierbei eine Ausnahme. Fünf der sieben Sterne gehören zu einer Sternengruppe, die gemeinsam durchs All wandert und in eine Entfernung von 75 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem hat. 

Folgt man dem Schwung der Wagendeichsel nach Süden, trifft man auf Arktur, den hellsten Stern am Frühlingshimmel und Hauptstern des Bootes oder auch Bärenhüter genannt. Gemeinsam mit Regulus im Löwen und Spica in der Jungfrau bildet er das Frühlingsdreieck, eine neuzeitliche Figur, die als astronomischer Bote der Jahreszeit zu verstehen ist. Südöstlich von Arktur entdeckt man die Waage. Ein unauffälliges Sternbild, das durch drei mäßig helle Sterne geprägt ist.

Wenn am 6. Mai der Vollmond leuchtet, wird er seine Position in besagtem Sternbild einnehmen. Sein Aufgang erfolgt gegen 21.30 Uhr und der Untergang gegen 6.15 Uhr. Typisch für das Sommerhalbjahr ist seine flache Bahn, die ihn weniger auffällig erscheinen lässt. Seine größte Höhe in südlicher Richtung wird nur 20° betragen. Der Wintervollmond hingegen kann es bis auf einem Höhenwinkel von 68° schaffen. Dennoch hat der Vollmond vom  6. Mai eine Besonderheit. Es ist der größte Vollmond des Jahres 2012. Da seine Umlaufbahn um die Erde elliptisch ist, ändert sich sein Abstand. Am 6. Mai um 5.00 Uhr durchläuft er sein Perigäum, den erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn, und nur eine halbe Stunde zuvor nimmt er exakt die Vollmondposition ein. Seine Entfernung von der Erde wird dann 356 955 km betragen. Damit erreicht seine scheinbare Größe mit 33,5 Bogenminuten einen Maximalwert. Im Apogäum, dem erdfernsten Punkt seines Erdorbits, ist er etwa 50.000 km weiter von der Erde entfernt. Die daraus resultierende unterschiedliche Größe des Mondes kann mit Fotografien sichtbar gemacht werden, während unsere Sinne nicht in der Lage sind, diese Unterschiede zu erfassen.

Prinzipiell berichten Beobachter, die einen Vollmondaufgang bei klarer Sicht wahrnehmen, dass dieser besonders groß sei. Analoges gilt für den Untergang des Vollmondes.  Dieser Umstand, der immer wieder beschrieben wird, hat nichts mit den genannten Entfernungen zu tun. Der Riesenmond am Horizont ist schlicht eine optische Täuschung. Sie wird durch die Bildverarbeitung in unserem Gehirn hervorgerufen. Es konstruiert die Größe eines Objekts durch den Vergleich mit anderen. Bei der Mond-Illusion sind es Häuser und Bäume am Horizont, mit denen wir den Mond vergleichen und größer wahrnehmen, als wenn er hoch am Himmel steht. Mit einem einfachen Experiment kann man dies überprüfen. Bei ausgestrecktem Arm deckt man mit dem Daumen den Mond zweimal ab. Einmal, wenn er knapp über dem Horizont steht und ein zweites Mal, wenn er hoch am Himmel leuchtet. Man wird feststellen, der Mond ist am Horizont auch nicht größer als nahe dem Zenit. Dasselbe Phänomen zeigt sich bei der Sonne. Aber auch die Sternbilder scheinen in Horizontnähe größer zu sein. Der Große Wagen wirkt mächtiger, wenn er tief im Norden steht im Gegensatz zu seiner aktuell hohen Position, in der es unauffälliger erscheint.

Ein weiterer Effekt der Mond- bzw Sonnenbeobachtung in Horizontnähe ist das ovale Erscheinungsbild knapp darüber. Dieser Effekt ist in der atmosphärischen Refraktion, der Lichtbrechung, bedingt. die in Horizontnähe am stärksten ist. Darunter versteht man die Richtungsänderung eines von außen auf die Atmosphäre treffenden Lichtstrahls, verursacht durch dichtere Luftschichten.

Die Karte zeigt den Sternhimmel am 15.05. um 22 Uhr MESZ .
Die Blickrichtung ist SÜDEN.

Die Karte zeigt den Sternhimmel am 15.05. um 22 Uhr MESZ .
Die Blickrichtung ist NORDEN.

Verzeichnis der Sternbildabkürzungen:

And Andromeda CVn Jagdhunde Oph Schlangenträger
Ant Luftpumpe Cyg Schwan Ori Orion
Aql Adler Del Delphin Peg Pegasus
Aqr Wassermann Dra Drache Per Perseus
Ara Altar Equ Pferdchen PsA Südlicher Fisch
Ari Widder Eri Eridanus (Fluß) Psc Fische
Aur Fuhrmann For Ofen Pup Achterdeck
Boo Bootes Gem Zwillinge Pyx Kompass
Cam Giraffe Gru Kranich Scl Bildhauer
Cap Steinbock Her Herkules Sco Skorpion
Cas Kassiopeia Hya Wasserschlange Sct Schild
Cep Cepheus Lac Eidechse Ser Schlange
Cet Walfisch Leo Löwe Sex Sextant
CMa Großer Hund LMi Kleiner Löwe Sge Pfeil
CMi Kleiner Hund Lep Hase Sgr Schütze
Cnc Krebs Lib Waage Tau Stier
Col Taube Lyn Luchs Tri Dreieck
Com Haar der Berenike Lyr Leier UMa Große Bär (Wagen)
CrA Südliche Krone Mic Mikroskop UMi Kleiner Bär (Wagen)
CrB Nördliche Krone Mon Einhorn Vir Jungfrau
Crt Becher Nor Winkelmaß Vul Füchschen
Crv Rabe